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Ungenützte Synergien

Im Kinsky debütiert mit reiner Zeitgenossen-Auktion unter den Erwartungen. In London gelangt kommende Woche Kunst zum Gegenwert von etwa 100 Millionen Pfund unter den Hammer. Mit etwas Fantasie könnte man Nikolaus Schauerhuber so etwas wie prophetisches Talent attestieren oder zumindest eine strategisch perfekte Punktlandung zum Auftakt seiner ersten Herbstsaison als Geschäftsführer „im Kinsky“. Zeitgenössischer Kunst sollte mit einem eigener Auktion künftig stärkere Aufmerksamkeit zuteil werden: Zweimal jährlich, jeweils im Februar und im September, und letzterer Termin ist angesichts der im Juli verlautbarten Verlegung der Viennafair (20.-23. September 2012) in den Herbst die perfekte Wahl. Dann könnte an der Donau glatt jenes Synergiepotenzial genutzt werden, dass man dort seit sieben Jahren an der Themse pflegt. Das Termindebüt vergangene Woche verlief an der Freyung jedoch nicht frei von Blessuren. Die Verkaufsquote von etwas mehr als 45 Prozent (exkl. der unter Vorbehalt erteilten Zuschläge) blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück. In vielen Fällen standen die monetären Vorstellungen der Einbringer nicht im Einklang mit dem, was Käufer derzeit zu investieren bereit sind. Ob der Kandidat nun Marc Adrian, Wander Bertoni, Ernst Fuchs, Anton Lehmden, Heinz Mack oder auch Antoni Tàpies hieß. Dort, wo die Schätzwerte marktkonform bemessen worden waren, langte das Publikum auch zu: Sandro Chias „Figura in rosso“ fand via Sensal bei netto 15.000 Euro (brutto inkl. Aufgeld. 19.522) einen neuen Besitzer. Kurt „Kappa“ Kocherscheidts unbetiteltes Ölbild aus dem Jahr 1989 sicherte sich Diethard Leopold für 13.000 (16.250) Euro. Für Hans Hofmanns Katalogtitelbild „The Bay“ von 1951 bewilligte ein heimischer Käufer übers Telefon 80.000 (100.000) und das gleiche Schicksal ereilte ein Großformat von Herbert Brandl (31.000/39.965). Den spannendsten Moment der mehr als vierstündigen Sitzung bescherte allerdings ein Jugendwerk von Oswald Oberhuber: Entgegen der angesetzten Taxe (15.000-30.000) erteilte man den Zuschlag erst bei 46.500 (59.985) Euro und damit zum neuen Künstlerrekord zugunsten eines europäischen Museums. Inklusive der unter Vorbehalt verzeichneten Besitzerwechsel summierte sich das Ergebnis entgegen der erhofften 2,9 (bis 5 Mio.) auf 1,77 Millionen Euro. Soweit die Bilanz der heimischen Bundesliga. Die Champions League wartet in London kommende Woche freilich mit völlig anderen Kalibern auf. Seit sieben Jahren sind die Frieze Art Fair (13.-16. Oktober 2011), ihre Satellitenevents und die Auktionsbranche im Vergleich zu Kontinentaleuropa ein für Zeitgenossen-Aficionados unschlagbares Team. Am ersten Öffnungstag der Frieze lockt Sotheby’s zum Abendtermin in die Bond Street, wo 47 Positionen in der Sektion Contemporary Art und weitere 58 der Kategorie 20th Century Italian Art auf neue Besitzer warten. In zwei Tagen soll dort am 13. und 14. Oktober in vier Sitzungen Kunst im Gegenwert von 49-68 Millionen Pfund unter den Hammer kommen. Bei Christie’s stehen am 14. und 15. Oktober drei Auktionen auf dem Programm, in denen mehr als 300 Werke um die 50 Millionen Pfund bringen sollen.

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