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Kaufkraft kontra Zahlungsmoral

Bilanz zu den Londoner Auktionen der Sparten Impressionist & Modern Art und Post War & Contemporary Die Russen lieben es mehr denn je damit zu protzen und auch die neue Klasse der vermögenden Chinesen (ca. 300.000 Millionäre) entdeckt den Prestigewert von Kunst für sich. Dazu schwimmen die Banker an der Wall Street wieder im Geld: Die 25 größten Finanzfirmen sollen (laut „Wall Street Journal“) 2010 die Rekordsumme von 98 Millionen Euro an ihre Mitarbeiter gezahlt haben. Allein die Kaufkraft dieser Fraktion hat den Markt in den vergangenen zwölf Monaten beflügelt – und sie tut es noch, wie die jüngsten Auktionen am Handelsplatz London belegen. Dort servierten die Global Player Christie’s und Sotheby’s sowohl in der Sparte Impressionist & Modern Art (8. bis 11. Februar 2011) als auch bei Post War & Contemporary (15. bis 17. Februar 2011) eine Auswahl von durchaus üppiger Konsistenz. Annähernd 90 Prozent der in diesen zwei Wochen feilgebotenen Ware wechselte dann auch für mehr als 500 Millionen Euro den Besitzer, womit der Wankelmut des Marktes in die Schranken gewiesen und an Boomzeiten anno 2008 angeknüpft werden konnte. Sotheby’s auf der Überholspur Gemessen am aktuellen Kontostand befindet sich Sotheby’s mit einem aus dieser Serie erzielten Umsatz von etwas mehr als 242 Millionen Pfund (gegenüber rund 182 Mio. Pfund bei Christie’s ) auf der Überholspur. Dazu darf man sich des ersten „White glove sale“ (100 Prozent Verkaufsquote für den Single Owner Sale „Looking Closely“) des Jahres und darüber hinaus der spartenübergreifend drei höchsten Einzelzuschläge rühmen, deren Preisniveau doch recht deutlich über jenem des Kontrahenten liegt: Bei Christie’s setzten sich Pierre Bonnards „Terrasse à Vernon“ (7,2 Mio. Pfund / 8,48 Mio. Euro) bei den Impressionisten und Andy Warhols ungewöhnlich großes und neu entdecktes Selbstportrait (10,79 Mio. Pfund / 12,85 Mio. Euro) als Repräsentant der Generation Post War an die Spitze. Dem hielt Sotheby’s Höherwertiges entgegen: Pablo Picassos „La Lecture“, das für 25,24 Millionen Pfund (29,74 Mio. Euro) Richtung Russland abgewandert sein soll einerseits und Francis Bacon’s Triptych andererseits, für das der Kölner Händler Alex Lachmann 23 Millionen Pfund (27,13 Mio. Euro) bewilligte. 1964 soll der vormalige Besitzer George Kostalitz – er gilt als der anonym vermarktete Vater der „Looking Closely“-Kollekte – für die drei Studien zu Bacons Portrait von Lucian Freud Marlborough Gallery um die 7000 US-Dollar bezahlt haben. Insofern könnte sich der vergangenes Jahr in Genf verstorbene Sammler posthum eines satten Zugewinns von 36,993.000 Millionen Dollar freuen. Stellvertretend wird es wohl seine russische Witwe tun, der Sotheby’s in den nächsten Wochen theoretisch 93,52 Millionen Pfund (110,3 Mio. Euro) überweisen werden. Theoretisch deshalb, weil – ungeachtet veröffentlichter Umsätze und der statistischen Kaufkraft – die schlechte Zahlungsmoral russischer und chinesischer Käufer längst zum Alltag gehört.

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