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Eine Zwölf-Millionen-Relativitätstheorie

Zwölf Millionen Euro sind relativ. Aus Sicht von Otto Hans Ressler würde er sich diese gerne endgültig als offiziellen Umsatz der 81. Kunstauktion (9. Nov.) im Kinsky in die Bücher notieren. Zwischen Traum und Wirklichkeit liegen derzeit noch laufende Nachverhandlungen in der Größenordnung von mehr als einer Million Euro. 12 Millionen als Einkaufsbudget? Im Zuge der New Yorker Auktionen der Sparte Post War & Contemporary von vergangener Woche wäre man damit nicht allzu weit gekommen. Zumindest nicht auf der Ebene des Superlativs. Schon der Begleitmusik wegen - eine Alarmanlage zu installieren und die Versicherungsprämie aufzustocken - kann so ein Elfmillionen-Richter oder einen 22-Mio-Dollar-Rothko ja gar nichts. Das verdirbt Herrn und Frau Durchschnittssammler ja glatt den Spaß am Kunstgenuss. Egal, weil die tendenziell ohnedies weit weniger Etat zur Verfügung haben. Zehn Prozent davon, höchstens. Mit diesen 10 Prozent, konkret also 1,2 Millionen Euro kann man hierzulande glatt eine Shopping-Orgie planen, etwa im Zuge der kommende Woche im Dorotheum anberaumten vierten und letzten Auktionswoche des Jahres (22. bis 26. November). Italienisierte Moderne & Silber für Russen In sieben Sparten in ebenso vielen Sitzungen kann man dann seine Gunst in Form von Geboten verteilen. Oder auch nur in ein einzelnes Objekt investieren und damit garantiert jeden Konkurrenten aus dem Feld schlagen: Bei Hermann Nitschs auf 350.000 bis 450.000 Euro taxiertem „Rosenbild“ (Zeitgenössische Kunst) etwa. Den budgetären Spielraum könnte man in einen passenden Design-Fetisch investieren, konkret in Luigi Colanis Motorradskulptur von 1973, für die man zwischen 45.000 und 55.000 Euro bereit halten muss. In der zunehmend von Italienern dominierten Sektion klassischer Moderne könnte man sich heimische Protagonisten oder auch solche aus dem französischen Sprachraum rauszupfen, Kolo Mosers Baumwipfel in einer Landschaft (45.000-70.000) etwa oder auch Serge Poliakoffs Gouache einer abstrakte Komposition von 1951 (40.000-45.000). In der Sparte Jugendstil hat man ebenso die Qual der Wahl wie in der Sparte Silber (erstmals mit einem eigenen Katalog für Geschmiedetes russischer Provenienz), die Juwelen und Armband- und Taschenuhren nicht zu vergessen. Zwölf Millionen Euro bleiben relativ. Genau genommen könnte man, die übliche Quote unbebotener Objekte berücksichtigend, damit theoretisch die gesamte Dorotheums-Offerte käuflich erwerben. Zwölf Millionen beziffert nämlich den unteren Netto-Schätzwert aller 1866 während der Auktionswoche angebotenen Kunstwerke. Das wäre dann allerdings als Sensation zu werten. Im direkten Vergleich zu den Vorjahren, lag der kurz vor Saisonende bei den Vergleichssausen erzielte Nettoumsatz bei durchschnittlich 7,4 Millionen Euro.

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