Werbung
,

Vertrieb über den Auktionssaal

Dass Damien Hirst Arbeiten provozieren ist längst ein alter Hut. Seit vergangenem Jahr nimmt der Star der ehemals Young British Artists mehr oder weniger auch den Kunstmarkt und seine Mechanismen auf die Schippe. Als Charles Saatchi sich über eine Auktion bei Christie’s von einem Teil seiner YBA Sammlung trennte moserte Hirst noch 1998: „(d)er glaubt, dass er den Wert von Kunst mit seiner Kaufkraft beeinflussen kann“. Seit 2007 tut es Damien ganz offiziell selbst, der den Markt ausreizende Preis wird zum wesentlichen Bestandteil des Kunstwerks. Mit dem notwendigen medialen Pomp präsentierte White Cube, neben Gagosian eine der beiden ihn vertretenden Galerien, im Sommer vergangenen Jahres den Platin überzogenen und mit 8.601 Diamanten besetzte Totenkopf. Kurz danach verlautbarte man den Verkauf an eine nicht näher definierte Investorengruppe. Nach wenigen Tagen sickerte durch, sowohl Galerist Jay Jopling als auch der Künstler selbst waren an diesem 50 Millionen Pfund Deal beteiligt. Tanz um das Goldene Kalb Der direkte Weg in den Auktionssaal war eigentlich nur eine Frage der Zeit, der Künstler selbst bezeichnet diese Vertriebsform, als „einen sehr demokratischen Weg Kunst zu verkaufen“. 2004 wurde der Pharmacy Sale bei Sotheby’s (London) ein durchschlagender Erfolg. Statt der erwarteten 3,5 bis 4,9 Millionen Pfund spielten die 168 Positionen stolze 11,13 Millionen Pfund ein. Damiens jüngster Coup also, er fungiert als Einbringer: Am 15. und 16. September lässt er bei Sotheby’s in London 223 seiner Werke versteigern, sie kommen mehr oder weniger direkt aus seiner längst Fabrikmäßig ausgerichteten Produktion. Für die frischesten Zeichnungen liegt sein Limit irgendwo zwischen 15.000-20.000 Pfund, insgesamt sollen zumindest 65 Millionen Pfund oder umgerechnet 82,54 Millionen Euro eingespielt werden. Das Angebot inkludiert auch jüngere Adaptionen seiner Schlüsselwerke, darunter „The Golden Calf“ für das er um die zwölf Millionen Pfund ( 15,24 Mio Euro) erwartet. Das biblisch überlieferte Götzenbild ist die Hauptattraktion und der darum abgehaltene redensartliche Tanz – als Sinnbild für eine Verehrung von Reichtum und Macht – weniger eine Auktion als eine perfekt inszenierte Performance. Auktion Damien Hirst - Beautiful inside my head forever 15. & 16. September 2008 www.sothebys.com

Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: