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Nachbericht zur 55. Kunstauktion

Sisyphus auf Talfahrt Sammeln ist Sisyphusarbeit und endet niemals. Und das macht das Glück des Sammelns aus. Eine Kollektion ist aber immer auch Teil eines Lebens, macht einen der vielen Persönlichkeitssplitter aus. Sammler, die ihr "Glück" zu Lebzeiten auflösen sind eher selten. Verlässt der Sammler die Welt des Dinglichen, trennt sich die Nachkommenschaft - testamentarisch verfügt oder nicht - meist von dem doch sehr subjektiv zusammengerafften und deshalb individuellen Sammelsurium. Über Auktionshäuser werden die zahlreichen Objekte zerstreut. Der österreichische Kunstmarkt bietet derer 2005 einige Beispiele: das jüngste - abseits der umfassenden Sammlung von Heinrich Lill (Dorotheum) - zelebrierte "im Kinsky". Im Rahmen der 55. Auktion kamen derer am 7. und 8. Juni 2005 gleich fünf Sammlungen unter den Hammer. Mit selektivem Erfolg, wie die Bilanz dokumentiert. "Eine Auktion mit Höhen und Tiefen", so das Fazit Otto Hans Resslers am ersten Abend, als Gemälde und Zeitgenössische Kunst sowie Antiquitäten auf dem Auktionsplan standen. Den höchsten Zuschlag des Abends erteilte man erwartungsgemäß für "Toni vor dem Sommeratelier" von Leo Putz aus dem Jahr 1924 bei 60.000 Euro. Die Kategorie Zeitgenossen fand an dieses Preisniveau keinen Anschluss, das höchste Meistbot wurde für Gerhild Diesners Netzflicker am Gardasee bei 22.500 Euro im Bereich der angesetzten Taxe bewilligt. Die höchste Steigerung verbuchte man für ein durch Klebespuren stark beeinträchtiges Blatt von Gustav Klimt. Der Rufpreis für das "Liegende Paar" war bei 2000 Euro gelegen, der Endpreis nimmt mit 17.000 Euro Restaurierungserfolge vorweg. In der Sektion Antiquitäten engagierte sich das Publikum gewissermaßen launenhaft. Der Fülle an qualitätsvollen Gläsern aus der Werkstätte Kothgasser widerstand zumindest quotenhaft nahezu niemand: Bis auf einen Retourgeher - mit der Ansicht des Wiener Stephansdoms um 1825 - schlug man alle im Bereich von 8000 bis 22.000 Euro und damit zum unteren Limit zu; für vier Becher laufen derzeit Nachverhandlungen mit den Einbringern. Die am selben Tag offerierte Sammlung von 60 Kaffee-Handmühlen präsentierte sich differenzierter. Die zwischen 1820 und 1920 entstanden Handmühlen - Reste von Kaffeestaub belegten die Funktionstüchtigkeit - in einer Preisklasse von 200 bis 2000 Euro wechselten nur zu 38 Prozent den Besitzer. Den höchsten Zuschlag erteilte Ressler hier für eine Messing-Mühle aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei 1200 Euro. Anderntags gelangten im Rahmen der Sparte Jugendstil vier weitere Sammlungen zur Versteigerung. Den Anfang machte die 98 Objekte umfassende Keramikkollektion des deutschen Großunternehmers und Sammlers Georg Karg, die - teilweise über den angesetzten Taxen - zu 85 Prozent abgegeben werden konnte. Den Titel teuerste Keramik holte sich hier mit 12.000 Euro gleich die erste Position, ein um 1913 von Michael Powolny entworfener Herbst-Putto. Der aus 17 Objekten bestehende Teilnachlass des Keramikers Hugo F. Kirsch fand kaum gefallen und nur zwei der Keramiken wechselten für 500 bzw. 800 Euro den Besitzer. Mehr Interesse zeigte das Publikum für den Nachlass der 2004 verstorbenen Architektin Anna-Lülja Praun. Hier begeisterte man sich etwa für ein Konvolut Holzspielzeug (4000 EUR), eine Vitrine mit Sammelobjekten (1000 EUR) oder zwei Druckmodeln von Josef Hoffmann (1000 EUR). Die höchste Wertschätzung ereilten Besitztümer der Wittgenstein?schen Hausdame Betty Gaun: Eine auf 6000 bis 10.000 Euro taxierte Krampus- bzw. Nikolodose, Entwurf Adolf Böhm, Ausführung Wiener Werkstätte 1905 fand erst bei 13.000 Euro ihren endgültigen Zuschlag. Den auktionatorischen Vogel schossen einmal mehr Josef Hoffmann und Kolo Moser ab: Der für den Steigenaufgang der WW-Räume in der Neustiftgasse entworfene Luster startete bei 30.000 Euro und wechselte nach einem heftigen Bietgefecht für 250.000 Euro, und damit laut Ressler "dem höchsten je in Österreich für ein WW Objekt erzielten Preis" nach London. Zumindest letzterer Zuschlag versüßt die Stimmung, denn mit 50 bzw. 60 Prozent hat man im Palais Kinsky schon bessere Verkaufsquoten verbucht. Insgesamt summierte sich das Kaufinteresse auf einen Netto-Umsatz von 2,35 Millionen Euro.

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