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Global tools - Design im Zeitalter der Intensivstation: Design der Gegenwart

Sollte Wien die Stadt der Träume sein, so offenbar der falschen. Der Direktor des Kunsthistorischen Museums träumt von Steppenvölkern, und statt mit den Tonnen seiner Bildbestände zu wuchern, zeigt er vor allem goldene Kleinodien aus dem mittleren Osten. Der Leiter der weltgrößten Grafiksammlung verspricht, seine Albertina mit Malerei von Edvard Munch wiederzueröffnen, während der Chef des Museums für Angewandte Kunst mit Vorliebe Installationen und allerlei anderes zeitgenössisches Material präsentiert. Die Sparte \"Design der Gegenwart\" wiederum hängt an der Speerspitze des ästhetischen Konservativismus, an der Mitte des 19.Jahrhunderts gegründeten und in einem Ringstraßenbau von deftigem Neubarock beheimateten Wiener Künstlergenossenschaft. Seit dort Doris Rothauer als Geschäftsführerin amtiert, kann es im Künstlerhaus gar nicht avanciert und weltorientiert genug zugehen. Momentan stellt man \"Global Tools\" aus, findet für den Status Quo die Metapher von der Intensivstation passend und zeigt Dinge, die man von Murau bis Moskau seit Monaten schon zu brauchen meinte. Der moderne Mensch ist ein Nomade, so hätte es der tertiäre Sektor gern, und also werden ihm Gegenstände mit auf seine Wanderungen gegeben, die er nicht bezahlen, aber möglichst teuer benutzen muß. Handys und Kreditkarten und Game-boys heißen die globalen Güter. Mit der Ausstellung soll behauptet werden, daß sie kategoriell anders funktionieren als Briefe und Geldscheine und Teddy-Bären. Diejenigen, die am Prinzip Neuheit verdienen, haben naturgemäß im Sinn, solch einen Eindruck zu vermitteln. Vielleicht aber ist der Unterschied zwischen Postkarte und Internet doch nicht größer als eine Steckdose. Die Ausstellung scheint der optischen und konzeptionellen Attraktivität ihrer Exponate selbst nicht recht zu trauen. Warum sonst hat man Künstler, Architekten, Gestalter eingeladen, jeweils einen der Schauräume mit der eklatanten Handgestricktheit zu überziehen, die individuelle Einfälle gern einmal haben. So stapeln sich hier Hunderte von Kartons neben- und übereinander, läuft man dort über grünen Schaumstoff und findet gegenüber das Vorgeführte zwischen Plastikfolien eingequetscht. Diese Ausstattungsideen mögen gut oder schlecht sein, jedenfalls sind sie eigen, eigentümlich und eigenartig. Ihr Design ist das glatte Gegenteil von Global Tools.
Global tools - Design im Zeitalter der Intensivstation
11.07 - 09.09.2001

Künstlerhaus Wien
1010 Wien, Karlsplatz 5
Tel: +43 1 587 96 63
Email: office@k-haus.at
http://www.k-haus.at
Öffnungszeiten: täglich 10-18 h, Mi + Fr 10-22 h


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