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Pipilotti Rist

Die Frau ist in ihrem duftigen Sommerkleid, wie sie da eine städtische Straße entlang läuft, ausnehmend guter Laune. Eine Fackellilie trägt sie bei sich, und ab und an schwingt sie die Blume gegen eines der parkenden Autos, so dass mit Karacho eine Fensterscheibe zerbirst. Strahlend schlendert sie weiter, abermals darf ein Glas dran glauben, und die Polizistin salutiert freundlich dazu. So geht das Prozedere dahin, unschuldig und folgenlos. In nächtlichen Phantasien verstecken sich, so wissen wir seit Freud, Erfüllungen unterdrückter Wünsche. Pipilotti Rists Video „Ever Is Over All“ von 1997 zeigt einen wunderbaren Traum. Die Welt der Schweizer Künstlerin bordet über von derlei schrillen Visionen. In der Kunsthalle Krems ist ihr Universum gerade aufgebaut, nachdem es vor einigen Jahren in der Kunsthalle Mannheim und in der Londoner Hayward Gallery zu sehen war. Es ist nicht weniger als eine Retrospektive, auf 40 Stationen lässt sich nachvollziehen, was in auch schon wieder 30 Jahren zusammengekommen ist an schreiender Buntheit und kecker Projektion. In den 80ern hat Pipilotti Rist in Wien an der Angewandten studiert. Heute ist sie hier deutlich präsent mit den knalligen Deckeninstallationen, die sie dem Sofitel am Donaukanal hat angedeihen lassen. Was es in dem Hotel zu sehen gibt, ist dann sicherlich auch gut für eine Museums-Schau. Pipilotti Rist in der Kunsthalle Krems Elisabeth Charlotte Rist, geboren 1962, war von Kindheit an mit der sommersprossigen Göre Pippi Langstrumpf in Verbindung gebracht worden. Entsprechend ist ihre Kunst die selbsterfüllte Prophezeiung des Kosenamens. „I`m Not The Girl Who Misses Much“ war das Video von 1986 betitelt, das sie bekannt machte. Barbusig, aber unscharf war sie darin zu sehen, eine Zeile aus „Happiness Is A Warm Gun“ der Beatles vor sich her singend. Im veränderten Feminismus der 80er, der das Militante mit dem Augenzwinkernden anreicherte, traf sie mit ihrer Misswahl den rechten Ton. Im Zentrum steht seither, wie sollte es anders sein, der weibliche Körper zwischen Ironie und tieferer Auslotung: „Pickelporno“ von 1992 hat sie ihn benannt. Bald hat Pipilotti Rist das pure Vorführprinzip mit nichts als einem Bildschirm hinter sich gelassen und dafür abgezirkelt, was sich alles als Monitor eignet. Das ist mehr oder weniger das Repertoire der Wirklichkeit: der Plafond und der Boden, Gegenstände am Regalbrett und Gazestreifen, der menschliche Schoß und Seifenblasen. Alles kann Auge sein und den Blick zurückwerfen. Die Gemachtheit ihrer Filme, die das Grelle betonen, um das Lauernde doch nicht loszuwerden, kam bei diesen Abmessungen von Projektionsflächen bisweilen ein wenig zu kurz. 2009 hat Pipilotti Rist dann ihren ersten Langstreifen fertiggestellt. Titel: „Pepperminta“. Fräulein Langstrumpf heißt mit viertem Vornamen Schokominza. www.kunsthalle.at

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