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Abbild - recent portraiture and depiction: Einfache Ausstellungspolitik?

Angesichts von \"Abbild\", der zentralen Kunstpräsentation des diesjährigen steirischen herbstes, ließe sich fragen, was der Titel soll. In der Tat sind die Darstellungen, die dadurch irgendwie zusammenpassen, daß Köpfe auf ihnen zu sehen sind, Abbilder. Doch was ist eigentlich ein Abbild? Die beteiligten gut 50 Künstler müssen darauf keine Antwort haben, und es reicht ja auch darauf zu verweisen, daß sich aus der Frage einst ein Krieg von mehr als hundertjähriger Dauer entspann. Seit dem Bilderstreit im alten Byzanz schlägt man sich damit herum. Doch das ist vielleicht nur Begriffsklauberei. Angesichts von \"Abbild\", der von Peter Pakesch kuratierten Schau, ließe sich fragen, ob ein Landesmuseum und der Anspruch auf Gegenwärtigkeit so gut harmonieren. Pakesch, Grazer, Wiener Ex-Galerist, Baseler Leiter der Kunsthalle und eventuell als Direktor des Joanneums zukünftiger Wieder-Grazer, hat nicht wenige der \"Abbild\"-Exponate der ständigen Sammlung untergejubelt, und da machen sie nun auf Harmonie der Zeiten, indem sie tun, als würden sie konfrontieren. Spätestens seit Zoe Leonards Schamlippen-Bildern in der Kasseler Neuen Galerie anläßlich der documenta 9 kann einem das auf die Nerven gehen. Doch das ist vielleicht nur Geschmackssache. Angesichts von \"Abbild\", das die Gegenwart spätestens bei Douglas Huebler und den frühen Siebzigern ansetzt und Jeff Walls auf Manet anspielendes \"Picture for Woman\" ebenso als Porträt sieht wie Wolfgang Tillmans\ Fotos von Zeitungsausschnitten, läßt sich fragen, ob es heutzutage so etwas wie Kriterien braucht. Was also ist eigentlich kein Abbild? Und welche Einsichten bedient man, wenn auch noch Remy Zauggs Schriftbilder, die um das Ich kreisen, indem sie das Wort \"Ich\" anführen, als passend erscheinen? Womöglich ist die Politik der Ausstellung einfach Ausstellungspolitik: eine Zusammenstellung nach Maßgabe der Projekte, die der Kurator sonst noch laufen hat. Doch das ist vielleicht nur Verschwörungstheorie. Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? In dieser Trias erkannte Meister Kant ehedem die Grundfragen alles Humanen. Und dann fiel ihm noch eine Frage ein: Was ist der Mensch? Jaja, lieber steirischer herbst, was ist eigentlich der Mensch?
Abbild - recent portraiture and depiction
06.10 - 16.12.2001

Universalmuseum Joanneum
8010 Graz, Neutorgasse 45 A
Tel: +43 316/8017-9660, Fax: +43 316/8017-9669
Email: post@museum-joanneum.at
http://www.museum-joanneum.at/
Öffnungszeiten: Di - So 10:00 - 18:00, Do 10:00 - 21:00


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