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Bücher 2014

Tatsächlich hat sich jemand nach eigener Aussage die Bücher besorgt, die ich vor auch schon wieder zwölf Monaten an dieser Stelle als diejenigen des Jahres 2013 empfohlen habe. Bleibt mir also nichts anderes übrig als hier weiterzumachen. Im folgenden meine Bücher 2014, wiederum schön aufgeteilt nach Ressorts. Belletristik: Judith Hermann, Aller Liebe Anfang, S. Fischer Das Buch kam nicht gut weg in den Rezensionen. Langweilig sei es, die Beschreibung nichtssagend, die Detailgenauigkeit ermüdend, und bis es zur Story vordringe, die von einem Stalker handelt, der der Nachbarin im Genick sitzt, habe man es schon weggelegt. Judith Hermanns erster Roman spielt in einer Neubausiedlung, Typ 20 Kilometer vor der Großstadt, wo das Träumen kleingehalten und die Tristesse groß ist. Die Sprache, und nichts anderes kann man von ihr erwarten, bildet diesen Zustand exakt ab. Politik: Stefan Müller-Doohm, Jürgen Habermas. Eine Biographie, Suhrkamp Die Lebensbeschreibung eines Denkers und Diskutanten: Jürgen Habermas ist einer aus jenem Jahrgang 1929 wie Hans Magnus Enzensberger oder Ralf Dahrendorf, die die deutsche Entwicklungsgeschichte von einer Pressure Group der Alt-Nazis zum liberalen All Over mit kontrollfetischistischen Einsprengseln auf den Weg gebracht haben. Wer Stephan Müller-Doohms Biografie liest, merkt, dass Habermas' Einfluss auf die deutsche Politik dabei nicht überschätzt werden kann. Kulturgeschichte: Peter Heather, Die Wiedergeburt Roms. Päpste, Herrscher und die Welt des Mittelalters, Klett-Cotta An dieser Stelle wurde bereits angemerkt, dass die akademische Kunstgeschichte zwar seit Langem auf der Stelle tritt, die Kulturgeschichte generell aber so gut ist wie vielleicht noch nie. Den Engländern vor allem haben wir das zu verdanken, und einer von ihnen ist Peter Heather, der am King's College in London unterrichtet. Jetzt ist sein jüngster Vielhundertseiter „The Restoration of Rome. Barbarian Popes and Imperial Pretenders“ auf deutsch erschienen. Abermals spannt Heather einen Bogen von der späten Antike zum frühen Mittelalter, wobei er diesmal in unserer erweiterten Gegenwart landet: Der genuine Erbe des römischen Kaisers, sagt Heather, dem es als Engländer gleichgültig sein kann, ist der römische Papst. Theorie: Wolfgang Ullrich, Des Geistes Gegenwart. Eine Wissenschaftspoetik, Wagenbach Ein Vielbeschäftigter nimmt sich Zeit, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Anhand von fünf Vorlesungen, die er nie gehalten hat, lotet Wolfgang Ullrich seinen Platz im Diskursbetrieb der Gegenwart aus. Zwischen Symposien, Reden, Artikel Schreiben und Bücher Zusammen Stellen muss etwas bleiben, was das Nachdenken lohnt. Wolfgang Ullrich hat seinen akademischen Anfang mit einer Arbeit über Richard Rorty markiert. Er zeigt nun, dass er dem Programmatiker von Ironie und Kontingenz nach wie vor verpflichtet ist. Ausstellungskatalog: Der Wert des Originals, Reihe Marbacher Magazin # 148 Das Deutsche Literatur Archiv in Marbach, der Schiller-Geburtsstadt, nimmt sich aus den überbordenden Beständen, mit denen es Schriftsteller und solche, die es dadurch werden, bestücken, immer wieder Signifikantes vor, reichert es mit Leihgaben an und fasst es unter ein Thema. Diesmal rankt es sich um das Original, die Ausstellung geht noch bis 12. April 2015, doch naturgemäß tut es bei Exponaten, die vielfältig aus Schriftstücken bestehen, auch der Katalog. Der nun ist, ein Taschenbuch, ein Baedeker, hinreißend.

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