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53

Vor ziemlich genau zwanzig Jahren, da saßen wir mal zu dritt zusammen. Ich begann zu sinnieren, wie es wäre, mit 33 tot zu sein, jetzt, wo ich dieses Alter erreichen würde. Ja, wurde mir vom Freund beigepflichtet, ihm sei es auch so gegangen, damals, als er 33 wurde; seither sei es wieder besser. Was soll das, fragte da der Dritte, haltet Ihr Euch für Jesus? Man wird ja noch ein wenig mit Symbolik hantieren dürfen.. Nun werde ich 53, und da kommt man womöglich wieder ins Nachdenken, über Sinn und dessen Verweigerung in der Welt, die die Zahlen bedeuten. Es gibt Ground Zero, die Formel Eins, den K2, das dritte Reich, die Vier im Jeep, Chanel Nummer 5, den sechsten Sinn, die glorreichen Sieben, die G8, die Neunmalklugen, den Zehnkampf, den Elfmeter, die zwölf Apostel und Freitag den 13. Christoph 53 dagegen bedarf der Erklärung: Es ist der Name eines Helikopters, der fliegenden Intensivstation der Deutschen Rettungsflugwacht. 53 also. Thomas Trenkler, der „Standard“-Redakteur, hat dem ominösen Zweisteller im Jahr 2009 ein wunderbares kleines Buch geschrieben, aus dem ich mich hier nun bedienen darf. Peter Weck schrieb ein Buch über die 53 beliebtesten Musicals. Der Joker ist die 53. Karte im französischen Blatt. 2003 wurde aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien die Saliera gestohlen; der Dieb hatte dafür 53 Sekunden Zeit. Der tolle Käfer bei Walt Disney hat die Nummer 53. Hitchcock hat 53 Filme gedreht. Der Ballungsraum Ruhr umfasst bei 5, 3 Millionen Einwohnern 53 Gemeinden. Der Gefangene von Alcatraz hat 53 Jahre zu verbüßen. Sarkozy wurde 2007 mit 53 Prozent der Stimmen gewählt. Raucher haben laut einer Studie der University of Minessota ein um 53 Prozent höheres Risiko, dass ihre Ehe geschieden wird. Der Umfang von Schwarzeneggers Oberarm betrug zu dessen Glanzzeiten 53 Zentimeter. Trenkler hat sich das und viel mehr in aller Kleinarbeit zusammengesucht, unterstützt von denjenigen, die er mit seiner „Behauptung“, wie er es nennt, infizierte. Garniert wird das Werk mit einer Unmenge an Ausschnitten, Schnipseln, Bildern, 53 en gros, herbeigerafft im Tunnelblick auf die eine Kombination der Ziffern. Dass es nicht mehr ist als eine Spielerei, bedarf keiner Erklärung. Und doch: Der Mensch will die Welt symbolisch vermessen, und mit einer seiner einträchtigsten Konstruktionen, der Zahl, bestätigt er sich täglich die Triftigkeit dessen, dass er nicht allein da steht. Und natürlich ist 53 eine Primzahl. Soviel Einzigartigkeit muss sein. Thomas Trenkler, 53 – Eine Behauptung, Wien: Czernin 2009

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