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Trotzdem Kunst!: Malen in Zeiten des Krieges

Mit Sarajevo verbindet man einiges, nur keine Stadt als solches, im Sinne eines Prospekts einer urbanen Situation. Man mag an die blutige Uniform Franz Ferdinands denken und die Folgen. Die XIV. Olympischen Winterspiele mögen einen in den Sinn kommen oder aber die Belagerung während des Bosnien Krieges Anfang der 1990er Jahre. Nun prangt der Banner „Sarajevo 84“ als Schriftskulptur von Marko Lulic auf der Fassade des Leopold Museum, einer der sieben zeitgenössischen Beiträge zu „TROTZDEM KUNST! – Österreich 1914-1918“. Und während man noch über Kontinuitäten und Aktualitäten sinniert, gelangt man in der zentralen Halle des Museums zu Franz Kapfers wunderbarer Pappkulissen- Installation „FÜR GOTT, KAISER UND VATERLAND“. Haben die bildnerischen Pathosformeln an Denkmälern, die an Helden einer untergegangenen Monarchie erinnern – jenseits ihrer Qualität als touristische Attraktion – heute überhaupt noch Relevanz? Für Egon Schiele waren es „die schwersten Tage seines Lebens“, wenngleich er erst gar nicht an die Front kam, sondern mit einigem Interesse Kriegsgefangene portraitierte und das Konterfei von uniformierten Vorgesetzten zu Papier brachte, später dokumentierte er mit einiger Akribie und bislang ungeahnten Raumverständnis die Interieurs seines Arbeitsplatzes der „k.u.k. Konsumanstalt für die Gagisten der Armee im Felde“. Das Ende des 1. Weltkrieges erlebte er bekanntermaßen gerade nicht mehr. Anton Kolig malte „in größter Not“, auch bei ihm beschränkte sich der Einsatz auf das Portraitieren von Offizieren und Gefangen. Schiele wie Kolig, so lernen wir in der triftig zusammen gestellten Schau „ Trotzdem Kunst“ absolvierten, wie viele ihrer Kollegen, ihren Dienst nicht vor dem Feind sondern hinter der Staffelei als Kriegsmaler im Auftrag ihrer Majestät oder zumindest derer, die für die Propaganda des Landes zuständig waren. Oskar Kokoschka, indes wurde zwei Mal verletzt und verblieb traumatisiert in Dresden, wohin man ihn zur Genesung geschickt hatte. Alfons Walde schließlich, lehnte es überhaupt ab, Kriegsmaler zu werden. Er wollte den Tod nicht verherrlichen und so blieb er sich und seinen Kaiserschützen treu. Das Portrait eines Kameraden auf dem Monte Piano, verzichtet weitestgehend auf die für Walde sonst so spezifischen gleissend-harten Farbtöne, nach dem Krieg werden Soldatengräber und Grabkreuze in entsprechend düsterem Couleur ein Thema sein. Kann man Krieg mit all seinem Leid, Not und Tod überhaupt visualisieren? „Wenn das meine Soldaten sehen, gehen sie nicht mit“, meinte Erzherzog Franz Ferdinand bereits 1909 angesichts einer Totentanzfassung von Albin Egger-Lienz. Das Schicksal des Thronfolgers ist bekannt, der Künstler indes, für den Dienst an der Waffe auf Grund eines Herzfehlers als untauglich erachtet, war sich sicher, als Zivilist für das Vaterland mehr leisten zu können. Seine ausgemergelten „Kriegsfrauen“, die leeren Blicke der Soldaten oder die Toten auf dem Schlachtfeld von „Finale“ (1918) sind alles andere als visualisierte, propagandistische Durchhalteparolen. In einer Egger-Lienz-Ausstellung des Jahres 1940 in der Galerie Welz, wurde es in einem gesonderten Raum präsentiert, im Katalog kam es erst gar nicht vor. Die Begründung war der „wehrkraftzersetzende“ Charakter des Gemäldes. Der Künstler, so muss man sagen, hat alles richtig gemacht.
Trotzdem Kunst!
09.05 - 15.09.2014

Leopold Museum
1070 Wien, Museumsquartier
Tel: +43 1 525 70-0, Fax: +43 1 525 70-1500
Email: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org
http://www.leopoldmuseum.org
Öffnungszeiten: Mi-So 10-18 h


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