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Art Cologne?

Die Art Cologne ist wieder wer, entnehme ich Stefan Kobels Bericht fürs artmagazine. Die überregionalen Tageszeitungen sind der gleichen Auffassung, und die regionalen schließen sich bestimmt gern an. Ich selbst bin nicht auf der Art Cologne, wie ich seit 1994 nicht mehr auf der Art Cologne bin. Vorher dagegen war ich immer in Köln, wie alle Welt in Köln war, es war die Kapitale des Kunstmarkts, und wenn man schon verzichten wollte auf eine der beiden zentralen Veranstaltungen, die den Namen einer Stadt in Kombination mit „Art“ vorführten, dann war es eher Basel im Juni als Köln im – damals - November, das man sich sparte. Eingang zur Art Cologne, Foto: Koelnmesse Das lag natürlich am Haupt- und Bodensatz des Kölner Booms, an den Galerien. Sie waren die treibenden Kräfte, als man hier, beheimatet noch im Frohsinnsparadies Gürzenich, mit dessen Karnevalitäten man gern einmal ins Gehege kam, 1967 die Art Cologne inaugurierte. Pop Art-gestählt und mit der typischen, sagen wir: Offenheit der 68er für den Reibach ausgestattet, wurde hier Ökonomie gemacht, jene Ökonomie, die längst die zentrale Kategorie der Gegenwartskunst geworden ist – nicht Körper, nicht Sprache, sowieso nicht Raum und Zeit, sondern: Geld. Köln hat es am frühesten gewusst. Dann kamen die Wende, die neuen Bedürftigkeiten und die Attraktivität der Schweiz für alle Formen kreativen Umgangs mit dem Finanziellen, und es wurde sekundär, ob das Rahmenprogramm auch Galerieausstellungen beinhaltete. Die von mir immer wieder gern erzählte Geschichte mit dem Türsteher, den Paul Maenz 1989 brauchte, um der Besucher Herr zu werden, ist da längst weit entfernte Vergangenheit. Galerien gibt es ohnedies nicht mehr viele vor Ort, und ein Sammler wie Reiner Speck, der nicht nur eine wunderbare Kollektion hatte, der den Vorsitzenden der deutschen Marcel Proust-Gesellschaft abgab und der immer einen Koffer voller Bücher bei sich trug, damit man sich kompetent austauschen konnte, eine solche sehr rheinische Gestalt war auch damals schon eine Kostbarkeit. Müßig anzumerken, dass mit derlei Preziosen heute ohnedies keiner rechnet. Hannelore Schlaffer hat letztes Jahr einen langen Essay zur „City“ publiziert. Mit City meint sie Innenstadt, meint sie die kleinen Sensationen, die hier geboten werden, und eine gewisse Sogwirkung, in die die Leute verwickelt sind. City ist Fußgängerzone, und sie ist auf der Oberfläche der Stadt, was darunter die Stammstrecke darstellt, jene Trasse, auf der die U- und S-Bahnlinien zusammenkommen. Schlaffers Beispiele sind Hamburg, München, Frankfurt, auch Köln, es sind deutsche Beispiele, und letztlich funktioniert es nur hier. Weltstädte haben keine Stammstrecke, sie haben, wenn schon, Ringlinien, London, Paris, Berlin genauso, auch wenn man nichts unversucht lässt, der Stadt ein Image zu verpassen, dass sie bald zur City wird. Seltsam ist an Schlaffers Buch, dass es die Sandkastenperspektive auf die deutschen Minimalmetropolen nicht zum Thema macht. Das Buch tut, als gelte die Beschreibung generell. Vielleicht gehört auch die Kunstmesse zum Image einer City. Die Art Cologne ist also wieder die Nummer eins der Republik. Erster in Deutschland. Damit ist die Stadt dann so etwas wie the Citiest of the Cities. Und in Düsseldorf machen sie gerade Quadriennale.

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