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Jeff Wall - Photographs: Vielfalt und Einfalt

"Man muss Manet als einfachen Künstler sehen." Dies war Emile Zolas schlagender, schmerzhafter Vorschlag angesichts des Unverständnisses, auf das der Maler des modernen Lebens zeit seines eigenen traf. Zola sollte über die Maßen erfolgreich werden mit seiner Prämisse, denn es ging ein Jahrhundert lang bergab mit den Bildern. Nicht die Künstler, aber das, was sie machten, wurde immer simpler, und von van Gogh über Malewitsch zu Pollock denkt man sich, das bisschen, was sie malten, hätten sie auch schreiben können. Die orthodoxe Moderne ist die Epoche der Einfalt. Es dauerte bis in die siebziger Jahre hinein, bis endlich wieder nach Herzenslust komplizierte Ware auf den Markt kam, Bilder angefüllt mit den Zauberworten Hybridität und Mehrfachkodierung. Einer, der sich dafür in die Bresche warf, war Jeff Wall, und er berief sich nicht von ungefähr auf Manet. Nun, anlässlich seiner Ausstellung im MUMOK, sieht es so aus, dass auch ein Zola nicht weit ist. All das Doppelsinnige und von einem Wust an kunsthistorischer Bildung Umgebene und mit Traditionalismus Aufbereitete, das Gestellte, Gespreizte und manchmal bis zum Unangenehmen Konstruierte, soll, so will es die Präsentation, hintanstehen. Derlei sei ein "Klischee", heißt es. Statt dessen gibt man den Künstler als Lichtbildner, als einen Reporter vom kühlen Schlage der Straight Photography. Daraufhin hat man dann die Exponate ausgewählt. Für Wall unüblich wenige Personen kommen jetzt vor, denn gerade in der Menschenbildnerei ließen sich Posen und Attitüden wiederholen. Landschaften gibt es genug und Stilleben, vor allem solche, die Jeff Wall bevorzugt für die privaten Käufer in größerer Auflage und kleinerem Format und betonterem Kalkül herstellt. Es gibt auch etliche der Schwarzweiß-Abzüge zu sehen, die die Observanz von Madame Davids strenger documenta X atmen, arbeiten ohne Walls angestammten Leuchtkasten und damit auf das Buchstäblichste der Straight Photography näher. Auf wundersame Weise ist aber auch "Resoration" zu hängen gekommen, Walls vielleicht bestes Bild, voller Anspielungen, vielfältig und zugleich ganz ohne Bemühtheit. In dieser Schau ist es das Entrée. Und der Fremdkörper.
Jeff Wall - Photographs
22.03 - 25.05.2003

mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
1070 Wien, Museumsquartier, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 52 500, Fax: +43 1 52 500 13 00
Email: info@mumok.at
http://www.mumok.at
Öffnungszeiten: Täglich: 10.00–18.00 Uhr, Do: 10.00–21.00 Uhr


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