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Josef Dabernig - 14 Films: Hungrig nach Filmen

Josef Dabernig ist in Krakau ein besonders willkommener Gast. In den letzten Jahren stellte er hier kontinuierlich seine Werke aus: Zuerst im Österreichischen Kulturforum und dann in der Galerie Potocka (1994) als er noch als Bildhauer mit einem Flair für modernistische Architektur und ihre Parameter arbeitete. Sukzessive begann Fotografie und Film seine künstlerische Sprache zu bestimmen und es folgte seine Einzelausstellung in Bunkier Sztuki (2006). Zu dieser Zeit wurden seine Filme noch kaum in Kunstinstitutionen in Österreich gezeigt. Nun werden zum ersten Mal alle seine 14 Filme (von Wisła bis River Plate) im Audioraum des Krakauer Museum für zeitgenössische Kunst präsentiert. Dies geschieht vielleicht nicht ohne Grund. Seinen ersten Film Wisła hat Dabernig 1996 in Krakau in dem heute nicht mehr in dieser Form vorhandenen gleichnamigen Fußballstadion gedreht. Dieser Film hat ihm zum Durchbruch als Filmemacher bei der Manifesta 2000 in Ljubljana geholfen. Seither dreht der österreichische Künstler nahezu jedes Jahr einen Film. Ein Ende ist nicht abzusehen, obwohl man nicht ausschließen kann, dass dieser begnadete Filmemacher noch eine dritte oder vierte künstlerische Karriere vor sich haben könnte. Dabernig ist ein raffinierter Beobachter des Lebens in seinen evaluierenden und extremen Formen. Im Film hat er diesbezüglich ein phänomenales Medium gefunden. Die Helden seiner früheren Filme waren in Bewegung, auf Reisen oder auf einer Wanderung, heute ruhen sie sich eher aus. Sie sind aber immer völlig mit alltäglichen Tätigkeiten beschäftigt wie Gehen, Jogging, Autofahren, Schwimmen, Automatenspielen, Lesen, Essen oder in der Sonne liegen. Einige von ihnen, z.B. die Jogger, rücken zu sozialen Phänomenen der jeweiligen Zeit auf. Diese Aktivitäten absorbieren zumeist den ganzen filmischen Raum, ohne dass wir Auskunft über die Personen selbst bekommen. Obwohl Dabernigs Protagonisten oft an einem bestimmten historisch relevanten Ort auftreten oder an ein Fortbewegungsmittel wie ein Auto gebunden sind, geht es dem Künstler nicht so sehr um anlassgebundene Orte, sondern um das Phänomen Raum. Dieser wird in seinen Filmen seziert, facettiert, ausgedehnt und verwandelt. Jedes Thema und seine Motive werden in ästhetischer Hinsicht der künstlerischen Form untergeordnet und damit auch aus der Realität gestellt. Damit wirken sie nahezu wie filmische Nature Morte. Die SchauspielerInnen schweigen. In Rosa coeli wird ein poetischer Text durch eine Stimme aus dem Off gelesen. Texte, eine Radiosendung, Wasserrauschen oder ausgewählte Musik, die öfters die Filmaktion paranarrativ unterstützen, zerlegen ebenfalls das Unteilbare in Worte und Töne zum Zweck imaginativer Neubelebung der Form beim Betrachter. Dabei zitiert Dabernig vom Film zu Film die Kinogeschichte neu: Den Film der 1920er Jahre, Nouvelle Vague, Pasolini und andere Filmklassiker, vorwiegend in einem von ihm favorisierten „Osteuropalook“. In seinem neuesten Werk River Plate wird die menschliche Physiognomie am Beispiel einer kleinen Gruppe von Männern und Frauen thematisiert, wobei das Gesicht gleichwertig mit anderen Körperteilen im Gegensatz zu gesichtsdominierenden Strategien behandelt wird. In Krakau verwandelt Dabernig seine Filmrevue zur einer Filmausstellung: er hat den verdunkelten Raum, in dem das Publikum die Leinwand sonst bewegungslos fixiert erlebt, zu einer begehbaren filmischen Installation umfunktioniert: Im Überwachungsfenster, seitlich der Großleinwand spiegeln sich die laufenden Projektionen wider und wer nicht bereit ist, die Geduld aufzubringen, sich die dreistündige Filmschau anzusehen, der kann sich an vier auf Tischen aufgestellten Monitoren spielerisch vier Filme auf einmal anschauen und damit den Raum komprimieren.
Josef Dabernig - 14 Films
18.10.2013 - 26.01.2014

MOCAK - Museum of Contemporary Art
30-702 Kraków, ul. Lipowa 4
Tel: +48 12 263 40 01, Fax: +48 12 257 10 34
Email: office@mocak.pl
http://www.mocak.pl/
Öffnungszeiten: Mo-Fr 8-16 h


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