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Rudolf Polanszky: Spaßvogelfedern

Hat man einen Aktionisten jemals lachen sehen? Gramgebeugt von der Last der läuternden Mission verrichteten sie ihr Menschheitswerk. Skatologie und Eschatologie griffen ineinander. Ernst war das Leben und ernster noch die Kunst. Wenn man sich heutzutage am Aktionismus und seinen Kombattanten abarbeitet, so liegt es nahe, es humorig anzugehen. G.R.A.M., derzeit in der Galerie König zu sehen, übernehmen fotografisch die klassischen Posen der Nitsch-Mühl-Schwarzkogler-Brus. Und Rudolf Polanszky tut es bei Hohenlohe & Kalb den Dionysikern nach, indem er apollinische Leichtigkeit einfordert. Und das in aller Vogelfreiheit: Er schwört auf das Prinzip Feder. Polanzskys "Spiralfedernzeichungen" zeigen den Meister, wie er in Springteufelmanier durch den Raum tanzt und dabei eine Papierbahn traktiert, die an der Wand hängt. Ab und zu treffen dabei sein Pinsel und ihre Oberfläche zusammen und was entsteht, übertrifft die Absurdität von Pollocks Drippings bei weitem. Komischer noch ist die Video-Dokumentation des seltsamen Verfahrens. Da hoppelt der Künstler durch die Gegend, auf und nieder gehend auf seinem metallenen Schwanz wie Tigger, der Freund von Winnie Puh. Das erinnert an Bruce Naumans Körperauslotungen. Und mehr noch macht es deutlich, was man sich seinerzeit an abstrusen Ritualen ausdachte, um die nicht mehr schönen Künste irgendwie aus der Fasson zu bringen. Es gibt Materialbilder zu sehen, wiederum mit Federn, diesmal mit echten, ausgestattet. Und es ist Polanzskys Mensch-Tier-Maschine namens "der musikalische Affe" nachzuverfolgen, abermals ein Versuch, eine Aktion auf die Beine zu stellen, ohne sie tierisch ernst zu nehmen. Polanzsky, Jahrgang 1951, war zu jung für den Aktionismus und er ist zu alt für die Albernheit der Heutigen. Dass er es nicht ganz ernst meint, zeigt sich am forcierten Aberwitz seiner Arrangements. Dass er es irgendwie doch authentisch meint, zeigt sich daran, dass er eigene Rituale ersinnt, anstatt die von den Aktionisten im Übermaß zurückgelassenen zu parodieren und zu persiflieren. Zur Trauer- gibt es auch eine Spaßarbeit. Und sie ist nicht so einfach.

Rudolf Polanszky
29.01 - 07.03.2003

Galerie Hohenlohe
1010 Wien, Bäckerstrasse 3
Tel: +43 1 512 97 20, Fax: +43 1 512 74 19
Email: galerie@galeriehohenlohe.at
http://www.galeriehohenlohe.at
Öffnungszeiten: geschlossen


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