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Die Sammlung - Eröffnungsausstellung-: Es wird eröffnet

Ob das Museumsquartier als Kulturbezirk in bester Geschäftslage eine gute Idee ist, muß sich erst beweisen. Bewiesen war bereits vor der Eröffnung, daß die Architektur, wie sie sich nach Streitereien und konzertierten Aktionen zeigt, keine gute Idee ist. Nun läßt sich einer der beiden Bunker auch betreten. Daß er auf den kuschelweichen Namen \"Mumok\" hört, macht ihn als Ausstellungsgebäude nicht besser, denn in perfekter ästhetischer Konsequenz des Mißlingens folgt das Interieur ebenso dem Prinzip Abschottung wie die Darbietung von außen: eine Stapelware an fensterlosen, bisweilen kaum drei Meter hohen Räumen, ein Übereinander an Gesichtslosigkeit, bei dem man einzig das Treppenhaus in Erinnerung behält. Dort hinein sollte nun Noch-Direktor Lorand Hegyi der Nation ihre Sammlung und sich selbst ein kleines Lorbeerbäumchen pflanzen. Frankophil wie er ist, schwört Hegyi auch im Hortus Conclusus seiner Bilderwelt auf das Prinzip der Rabatten. So ist manches an seiner Hängung gerade einmal langweilig, das unterste Geschoß vor allem, mit den Expressionisten und Mondrian und sonst noch allerlei klassisch Modernem, dargebracht in jetzt schon miefigem Ambiente, eine Allerweltspräsentation, wie man sie etwa im Rheinland alle 20 Kilometer ziemlich exakt so sieht. Ganz oben, unter der seltsamerweise kaum durchfensterten Stichbogentonne des Daches prangen die Pop-Artisten, und wenn die Bilder meistens zu groß sind für Ortners Kabinette, so hängen sie hier verloren an der ausnahmsweise geräumigen Wand. Oldenburgs Mouse-Museum verstellt den Blick auf die einzige großzügige Geste der Architektur, auf das Panoramafenster Richtung ersten Bezirk. Die Losung heißt Hermetik; da kann eine einzige Wandöffnung schon zum Störfaktor werden. In der Mitte, das heißt rund um das Entree, also irgendwo um den vierten bis sechsten Stock, sind zwei der durchweg charme-triefenden Bilderaufbewahrungsgebäudeteile der \"Kunst aus Mitteleuropa\" gewidmet. Wahrscheinlich sind diese buchstäblichen Separees innovativ gemeint, als Orte der Aufwertung des bis dato schnöde Vernachlässigten. So hängt also Roman Opalka nicht neben Hanne Darboven oder unter den Kollegen der Conceptual Art, sondern findet sich eingepfercht in eine Logik der Landkarte. Es gibt auch eine Diskrimierung, die vom Gutmeinen kommt. Ja, und dann ist da noch die Sache mit Gerhard Richter. Vom Meister aus Deutschland, der Galionsfigur für die Überwindung des Gegensatzes abstrakt-figurativ, sind drei Bilder präsentiert, zwei graue, mithin monochrome, sowie ein \"Waldstück\", ein Geknäuel und Gekräusel von Farbschlieren in Grün, das dem motivischen Titel durchaus gerecht wird. Der Hängung hat es nun gefallen, die Geschwister zu trennen: Jenes Gemälde, auf dem man etwas erkennt, hängt nun bei Baselitz und Immerdorff, die anderen beiden, wo man nichts erkennt, werfen sich bei Federle und Scully in die Brust. Wo etwas aussieht wie Farbfeld, da muß auch Farbfeld drin sein. Derart kann man auch ein Oeuvre ordnen. Derart kann man auch Schneisen schlagen in den Wildwuchs der Gegenwart. Hier folgt die Präsentation der Logik der Machete.
Die Sammlung - Eröffnungsausstellung-
16.09.2001 - 17.03.2002

mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
1070 Wien, Museumsquartier, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 52 500, Fax: +43 1 52 500 13 00
Email: info@mumok.at
http://www.mumok.at
Öffnungszeiten: Täglich: 10.00–18.00 Uhr, Do: 10.00–21.00 Uhr


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