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Nan Hoover: Aufklärung durch Verdunklung

Das gängigste aller kunstkritischen Verfahren, nämlich einen schlauen Text seinerseits schlau auf ein Bild zu beziehen, hatte seinen ersten Großmeister in Denis Diderot. Auf bis heute gültige Weise nahm er in seinem Salon von 1765 ein Gemälde von Fragonard und steckte es philosophisch in die Schublade - und zwar in keine geringere als Platons Höhlengleichnis. Seither ist der antike Meisterdenker in seiner Kaverne einer der bevorzugten Stichwortgeber gläubig kläubelnder Kunstanalyse. Der Selbstläufer Platon kommt in Nan Hoovers Oeuvre zu perfektem Stillstand. Die \"fantômes intéressants et sublimes\", die Diderot festgestellt hatte und dabei einen uralten (sublim) und einen wegweisend neuen (interessant) ästhetischen Begriff benutzte, finden sich auf exemplarische Weise in ihren Bildern. Manchmal sind es Gestalten, manchmal allein ihre Markierungen, die sich von der Dunkelheit dadurch absetzen, dass ein Moment von Beleuchtung auf sie fällt. Es sind Phantome, und die Lichtschrift der Fotografie entführt sie aus ihrer ephemeren Existenz. Das ist durchaus und im Wortsinn spannend, und die Szenerien arbeiten geschickt mit Thrill und Täuschung und dem Gout von Gangsterfilmen. Nan Hoover, 1931 in New York geboren, seit mehr als 30 Jahren in Amsterdam lebend, bedient sich auch bevorzugt der spurensichernden und dadurch suspense-erhaltenden Medien. Zusätzlich zu Video und großformatigen Abzügen gibt es in der Galerie Hilger Zeichungen zu sehen. Allesamt ranken sie sich um das Prinzip Menetekel, die Erscheinung aus dem Sublunaren, in der eine andere, entgegengesetzte Wirklichkeit aufblitzt. Die Lichtmalerei von Nan Hoover nimmt das Höhlengleichnis völlig buchstäblich. Natürlich kann man dieses Kalkül mit einem Uralt-Topos für abgeschmackt halten, doch die Bilder halten diesem Einwand stand, weil sie die Magie, mit der sie wirken wollen, rückbeziehen auf den Ursprung aller Kritik an dieser Magie. Sie klären auf, gerade indem sie verdunkeln. Das hätte Diderot sicher gefallen.
Nan Hoover
13.12.2002 - 10.01.2003

Galerie Ernst Hilger
1010 Wien, Dorotheergasse 5
Tel: +43 512 53 15, Fax: +43 513 91 26
Email: ernst.hilger@hilger.at
http://www.hilger.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Sa 11-15 h


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