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Himmlischer Glanz. Raffael, Dürer und Grünewald malen die Madonna : Damenprogramm

Es gibt keine Besucherschlangen in der Ausstellung. Die Bilder, die das „heute journal“ des ZDF vor wenigen Wochen gezeigt hat, um mächtig mit dem Blockbuster zu renommieren, waren nämlich nicht in Dresden aufgenommen. Zwar tat man so, als würde man von der Schau berichten, die himmlischen Glanz verspricht, doch die profane Anstellerei war in Berlin gefilmt, vor dem Bode-Museum, wo sie die Gesichter der Renaissance geben. Nicht einmal die Mühe, das Plakat wegzuräumen, das Leonardos Dame mit dem Hermelin und damit etwas ganz und gar nicht Himmlisches zeigt, haben sich die Fernsehfritzen gemacht. Soviel zum Zustand der öffentlich-rechtlichen Absahnerei: Wenn sie schon Kulturelles in die Nachrichten hieven, dann nur, um ein Spektakel zu haben, zur Not auch ein betrügerisches. Man kann sich jedenfalls problemlos in den, wie nannte man das einst, Kunstgenuss stürzen. „Raffael, Dürer und Grünewald malen die Madonna“, so der Untertitel, und wir können sagen, wir sind dabei gewesen (es gibt zusätzlich noch einen Correggio aus eigenen Beständen und einen Cranach aus dem Städel, doch der arme Lucas wird mächtig verhauen in dieser Konkurrenz). Die Stuppacher Madonna von Grünewald hat ihre Kapelle, in der sie immer noch vor sich hin schwelgt, aus Anlass der Schau verlassen (und wird es wohl kaum wieder tun). Das frühe, sehr Mantegna-artige Triptychon von Dürer wiederum gehört ohnedies der Galerie Alte Meister. Und dann die beiden Raffaels: die Sixtinische Madonna, das Glanzstück dieser Sammlung, sowie die Madonna di Foligno aus den Vatikanischen Museen, die einzige weibliche Begleitung des Heiligen Vaters auf seiner jüngsten Dienstreise. Schade, dass sie über Eck hängen und nicht direkt nebeneinander. Eine durchaus eigennützige, aber auch triftige Hierarchisierung hat dem Dresdener Bild die Schokoladenseite zuerkannt. Die Sixtinische Madonna ist die spätere der beiden, 1511/12 entstandenen Tafeln, womöglich waren sie irgendwann noch gemeinsam im Atelier des Meisters zum Stelldichein, doch sicher nicht in dem perfekten Zustand, in dem sie sich heute darbieten. Auch das hat seine Geschichte: In einer frühen, spektakulären Restaurierungs- und Rettungsaktion ist die Madonna di Foligno von Holz auf Leinwand übertragen worden, im Jahr 1800, während sie sich als Napoleonisches Beutestück in Paris aufhielt. Raffael ist ja ein Virtuose der Appropriation. Hat er sich in frühen Jahren sehr beflissen bei Leonardo bedient, markieren die beiden jetzt benachbarten Gottesmütter einen, nun ja, Strategiewechsel. Bramante, der Baumeister von Sankt Peter, hatte das junge Talent 1508 nach Rom vermittelt, zu Papst Julius II., dessen Konterfei in eben den titelgebenden Sixtus gegossen ist, dessen Name auch für eine gewisse Ausstattungskampagne steht. Jedenfalls wäre die Sixtinische Madonna nicht ohne die Sixtinische Kapelle zu denken. Hier hatte gerade Michelangelo, die Haupt- und Staatsaktion des Metiers, ungeheure Dinge an die Decke gebannt, und Raffael, der Emporkömmling, versuchte, ab und zu einen Blick hinaufzuwerfen auf das Niegesehene. Michelangelos, des Schrecklichen, Drehungen und Verrenkungen und Nacktheiten haben schwer gearbeitet in Raffael, dem Grazilen. So sehen die Figuren auf den beiden Tafeln dann auch aus: Bei der Madonna di Foligno vor allem das kapriziöse Christuskind, bei dem Raffael eindeutig der Gaul durchgeht; bei der Sixtinischen Madonna wiederum die Heilige Barbara auf der rechten Seite, und man merkt, dass der Ehrgeizling sich schon wieder ein wenig beruhigt hatte. Jetzt haben wir soviel über den notorischen Gegensatz der beiden Großkopferten der Kunstgeschichte geschrieben. Und in der Tat, es gäbe noch soviel Weiteres.
Himmlischer Glanz. Raffael, Dürer und Grünewald malen die Madonna
06.09.2011 - 08.01.2012

Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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Tel: +49 - (0)351 - 49 14 2000, Fax: +49 - (0)351 - 49 14 2001
Email: info@skd-dresden.de
http://www.skd.museum/
Öffnungszeiten: Mo - Fr 08.00 - 18.00, Sa, So 10.00 - 18.00


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