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Ernst Caramelle - Diesmal ganz abstrakt: Malerei mit beständiger Idee

Im Zuge der Auffrischung der ältesten Kunstgattung in den 1980er Jahren kam es zu einem impulsiven Wandmalerei-Revival in Österreich. Ein nachvollziehbarer subversiver Gegenvorschlag im Land postbarocker Illusionskünste. Der aus Tirol stammende Ernst Caramelle beeindruckte damals mit seiner antikisierten Wandarbeit in Form geometrischer Farbfeldmalerei im Grazer Kunstverein, wo er bereits in den 1970ern mit einer Serie von ironischen Video Performances die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Als kapriziöser Konzeptualist und Praktiker einer Ideenkunst transportierte er unterschiedlichste, tradierte und neue Medien in neue Kontexte, wobei Wandelbarkeit und feinspüriges Switchen zwischen Zeichnung, Video, Rauminstallation, Malerei, Katalogbuch oder Fotografie vorherrschend waren. Caramelles konzeptueller Ansatz der Malerei ist scheinbar jeder erzählerischen Basis entkleidet. Und doch versuchen seine formalisierten Werke etwas über Wahrnehmung, Rezeptionsfallen, Kunst und ihre Produktionsbedingungen auszusagen. 2011 sorgen nicht die Einladungskarte oder das Plakat der Ausstellung für eine mentale Bewegung, sondern der lakonische Titel „Diesmal Ganz Abstrakt“. Beiläufig fallen einem bei solcher Diskurseinschränkung lieber entgegengesetzte, die Malerei hinterfragende Bildtitel wie etwa „Abstract Painting must Die Now“ eines Albert Oehlen oder nicht zuletzt Ingo Nussbaumers Etikette „Inabstract Art“ ein. Dieser findet den Begriff des Abstrakten bloß nur als rückständige Metapher für das Sichtbarmachen von Fähigkeiten und Dispositionen der Darstellung des Realen und der Dinge. Caramelle impliziert jedoch in seiner Malpraxis nicht nur postmoderne Skepsis, sondern auch den Sinn für Parodie. Die klassische Leinwand wird vermieden. Seine aktuelle Ausstellung dominieren die bis zur Decke reichenden und mit Wasserfarbe und Pigment flachreliefartig behandelten Wandmalereien. Mehrfach brechen und falten geometrische Gebilde architektonisch die Trennwände des weißen Galeriekubus rundherum und lassen gemeinsam mit kleineren Arbeiten auf Papier oder Holz kombiniert erkennen, dass die traditionsreiche Malerei immer noch imstande ist, angemessene symbolische Formen für die Empfindung der Welt und der Dinge zu schaffen. Sie sprengt die Räume, verschiebt die Perspektiven und verweist auf verschiedene, in kultureller Hinsicht konträre Produktionsgeschwindigkeiten. Teil der Ausstellung sind selbstverständlich die Zeit speichernden, mit der Sonne „gemalten“ Lichtarbeiten – die Klassiker im Oeuvre des Künstlers – weiters Kompositionen in Splitterästhetik und das auf das relativ neue künstlerische Werkzeug hinweisende kleine Bild „computer“, dessen Realisierung einen Zeitraum von 7 Jahren beanspruchte. Der Bilderflut, die Kraft dieses Mediums stets ansteigt, verweigert sich der Künstler und bleibt beständig bei seiner Idee, die die Zeit hinauszögernd evaluiert.
Ernst Caramelle - Diesmal ganz abstrakt
14.09 - 29.10.2011

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder
1010 Wien, Grünangerg. 1/2
Tel: +43 1 5121266, Fax: +43 1 5134307
Email: galerie@schwarzwaelder.at
http://www.schwarzwaelder.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 12-18h
Sa: 11-16h


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