Werbung
,

Ernst Caramelle: Suprematismus auf Auslegware

Was auch immer man der BAWAG Foundation zugute halten mag, sie haben den häßlichsten, nichtssagendsten, atmosphärelosesten Ausstellungsraum des Universums. Das Erdgeschoß ist eine Berg- und Talbahn und der Keller eben ein Keller. Oben verrückt die schiefe Ebene des Fußbodens sämtliche Perspektiven, und unten taucht die Wahrnehmung in dumpfes Niemandsland. Prädikat: Unbrauchbar. Und ausgerechnet hier zeigen sie jetzt Ernst Caramelle. Unten hängen die Lichtzeichnungen, die Fotografien im Wortsinn. Allein die obligatorische Beschreibung des Materials macht klar, wie sie funktionieren: \"Sonne auf Papier\". Caramelle hat Buntpapiere genommen und sie über Monate und Jahre der Mittagshelle ausgesetzt. Das offenbare Ergebnis, ein Prozess des Verbleichens und Vergilbens, ist dadurch in Bahnen gelenkt, daß verschiedene Partien der Papieroberfläche jeweils überklebt oder freigelassen, nur teilweise bestrahlt oder peu à peu zugedeckt worden sind. Buchstäblich ans Tageslicht getreten sind Malereien mit dem Pinsel der Natur, Werke, deren Qualität in ihrer überragenden Evidenz liegt: Hat man ihr Verfahren verstanden, fragt man sich unmittelbar, warum nicht alle auf derlei Gedanken gekommen sind. Und diese Wunder an zweidimensionaler Collage haben sie also in den Keller gehängt. In ihrer Immaterialität appellieren Caramelles Lichtzeichnungen an die Virtualität perspektivisch konstruierter Räume. Dieses augenscheinliche Faible für das Architektonische sucht sich auch realiter ein Experimentierfeld, und so trifft es nun ausgerechnet auf das Erdgeschoß der BAWAG Foundation. Caramelle entwirft im Allgemeinen Wandfelder, monochrome Flächen von exakter Rechtwinkeligkeit, mit denen er konkrete räumliche Gegebenheiten akzentuiert. Dies versucht er auch in der BAWAG, doch kämpft hier seine gegenstandlose Welt gegen den Lagerhaus-Charme der Rampe an. Caramelle probiert es mit einer Art gemaltem Sockel, der von der Teppichboden-belegten Windigkeit in die Idealität der Waagrechten überführen soll. Er probiert es vergeblich. Caramelle in der BAWAG: Suprematismus auf Auslegware.
Ernst Caramelle
07.09 - 25.11.2001

BAWAG Foundation
1040 Wien, Foundationsquartier, Wiedner Hauptstraße 15
Tel: +43 1 504 98 80 38, Fax: +43 1 504 98 80 39
Email: foundation@bawagpsk.com
http://www.bawag-foundation.at
Öffnungszeiten: Di bis So, feiertags 11 bis 18, Do bis 20 Uhr


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: