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Art Basel

Bei „Obelix GmbH & Co. KG“, auf französisch schlicht „Obélix et compagnie“ betitelt, dem 23. Heft der Asterix-Reihe, kommt Cäsars Mitarbeiter Technokratus auf eine besonders perfide Idee, die Gallier unschädlich zu machen. Man packt sie bei ihrem Hang zur „Dekadenz“, stopft sie mit Geld voll und lässt sie sich im schönen Leben suhlen, indem das Dorf, bei dem bis dato allein der dicke, rotzöpfige Freund des Titelhelden für die Hinkelstein-Produktion zuständig war, zum größten Menhir-Lieferanten aller Zeiten aufsteigt. Das Wunderbare dabei: Die Hinkelsteine gehen weg wie warme Semmeln, denn so dekadent, dass sie dem Motto „Hübsch, haltbar, Hinkelstein“ erliegen, sind die Römer selbst. Schwierig wird es, als Plagiatus auf den Plan tritt, er vertritt den Gesamtverband der römischen Hinkelsteinindustrie, und auf einmal gibt es auch eine klassische Version der seltsamen Stele, säulenartig, mit Schaft, Entasis (die Wölbung der Säule in der Mitte) und Sockel. Plagiatus wird vor Cäsar zitiert, und auf die einsehbare Frage, seit wann Römer denn Hinkelsteine herstellen, bringt Plagiatus nun die ultimative Antwort: „Seit die Leute welche kaufen, o Cäsar“. Seit die Leute welche kaufen: Das trifft auch auf die Produktion zu, die alle Jahre wieder auf der Art Basel zu sehen ist. Seit die Leute welche kaufen, gibt es zum Beispiel nicht mehr, wie schon einige Zeit lang, nur alte Passstücke von Franz West, sondern auch wieder, gesehen bei Eva Presenhuber, neue. Und seit die Leute welche kaufen, verbindet Heimo Zobernig die Observanz seiner modernistischen Leinwände mit den Klunkern von Swarovski. Die Leute kaufen, und die Kunst liefert ihnen die Ware. Der Plagiatus von heute heißt Appropriatus, und gerade in Basel lässt sich immer wieder nachvollziehen, dass die Genialität, die sich hier feilbietet, zu zehn Prozent aus Inspiration und zu deren neunzig aus Transpiration besteht. Dass man in Basel Hinkelsteine verkaufen würde, gäbe es denn eine Nachfrage, versteht sich von selbst. Heimo Zobernig: Black Cube, 2010, am Vorplatz der Art Basel | Galería Juana de Aizpuru; Madrid, Galerie Chantal Crousel, Paris; Galerie Bärbel Grässlin, Nicolas Krupp, Basel; Frankfurt; Simon Lee Gallery, London; Galerie Christian Nagel; Köln; Friedrich Petzel Gallery, New York Gagosian scheint darauf zu bestehen, dass es etwas mit Kompetenz zu tun hätte, das Geld auszugeben. Also verweigert er in seiner Koje jede Beschriftung. Wer es nicht kennt, ist selbst schuld, lautet die Prätention, doch der Koons, der Hirst oder der Richard Prince, mit denen er die Leute dazu animiert, dass sie zur Kreditkarte greifen, schreien einem ihre Labels ohnedies entgegen. Es sind genau diese Gestalten, die die Protagonisten der „Pop Life“-Ausstellung abgegeben hatten, die jetzt in Hamburg zu sehen war, nachdem sie schon in der Tate Modern weniger für Furore als den Mangel daran gesorgt hatte. Vielleicht ist es ja ein Schachzug, als Pop zu verkaufen und als Unhintergehbarkeit zu verstehen, was einfach nur der Ikonografie der Gegenwart folgt: In den Sechzigern war es um die Aprioris von Sprache, Körper, Denken gegangen, in den Siebzigern um Intensität, in den Achtzigern wurden die semantischen Felder von Geschichte, Gedächtnis, Gesellschaft bestellt, und in den Neunzigern gab es die neuen Aprioris von Geschlecht, Herkunft, Ethnizität; heute, so scheint es, bleibt nur noch das eine, über das man bekanntlich nicht redet, aber man kann es ja zeigen: Geld. Wenn man es Kunst nennt, ist es Kunst, definierte einst Frank Stella. Jetzt gilt: Wenn man es kauft, ist es Kunst. Buy in Basel: und alle waren sichtlich erleichtert, dass das mit der Krise – ach was, das betrifft sowieso nur die anderen.

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