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Byzantinismus

„Blumen für Kim Il Sung“ heißt mit einem wirklich schönen Titel die Ausstellung, in der das MAK gerade Propagandaware aus Nordkorea dergestalt vorführt, als wäre sie Kunst. Während aber niemand auf die Idee käme, die Balsamwirkung etwa des Wiener Aktionismus auf die österreichische Seele zu problematisieren, wird dem Direktor Peter Noever nun Mangel an Kritik vorgeworfen. Denn natürlich war der Preis für die Schau der Einklang in den speziellen Byzantinismus, den sich das Regime aus Pjöngjang leistet wie sonst keines mehr in der Welt. Noever hat der Kritik an der Nicht-Kritik mit einer treffenden Replik den Wind aus den Segeln genommen. „Das finde ich vermessen“, hat Noever dem „Standard“ diktiert: „Das macht man doch auch nicht bei einem westlichen Künstler“. Und in der Tat: Wer Kataloge liest, darf sich durch einen Teigberg an Lobhubedeleien arbeiten, zäh und zähflüssig, die typischen Aussonderungen eines Metiers, das bevorzugt meint, die Besonderheit der Objekte reiche aus, auch den Text, der sich mit ihnen beschäftigt, mit Besonderheit auszustatten. Kritik ist längst zum Rechenschaftsbericht der sich eingeweiht Dünkenden verkommen. Ich nenne zum Beleg keine Namen. Oder doch zwei, weit genug entfernt, um es mir um Gottes willen mit niemandem zu verscherzen - womöglich darf ich sonst keinen solcher Texte mehr schreiben. Lasst uns unsere traditionelle Art des Grüßens fördern, 2010, Ri Un Hui, © Korean Art Gallery, Pyongyang Erstens Thomas Bernhard, Alte Meister: „Mein Gott, denke ich oft, hier auf der Bank sitzend, wenn die Kunsthistoriker ihre hilflosen Herden an mir vorbeitreiben, wie schade um all diese Menschen, denen von eben diesen Kunsthistorikern die Kunst ausgetrieben wird, endgültig ausgetrieben wird, sagte Reger. Das Geschäft der Kunsthistoriker ist das übelste Geschäft, das es gibt, und ein schwätzender Kunsthistoriker, und es gibt ja nur schwätzende Kunsthistoriker, gehört mit der Peitsche verjagt, aus der Kunstwelt hinausgejagt, sagte Reger, hinausgejagt aus der Kunstwelt gehörten alle Kunsthistoriker, denn die Kunsthistoriker sind die eigentlichen Kunstvernichter und wir sollten uns die Kunst nicht von den Kunsthistorikern als Kunstvernichter vernichten lassen.“ Zweitens Christian Demand, Die Beschämung der Philister: „Je professioneller der Rahmen, in dem eine Publikation zur Kunst erscheint, je näher sie den Institutionen der Kunstwelt steht, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, daß man darin auf enthusiastische Erlebnisaufsätze stößt, auf fadenscheinig ausgewaschene Formulierungen und die Simulation von Tiefsinn.“ „Wissenschaft als Knechtungsakt“ war ein Aufsatz überschrieben, in dem Martin Warnke derlei einst im Jahr 1970 anprangerte. Daran hat sich nichts geändert. Das ist es, was sie gerne haben: den Knechtungsakt. Im Osten und im Westen. Im Politik- und im Kunstbetrieb.

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