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Horden aus dem Norden, Teil 2

Einige Resonanz hat es gegeben zu meiner Aufrechnung von deutschen Studenten allgemeiner und deutschen Professoren kunsthistorischer Profession in Österreich. Nicht in Gestalt von Postings, Gott bewahre, aber ich hatte mit Klarstellungen und Entgegennahmen von Zusatzinformation gut zu tun. Eines ist klar, und so sei Asche auf mein Haupt: Mit Ironie oder gar Häme, wie ich es versucht habe, kommt man der Sache nicht bei. Hier also Teil 2, ohne Jux und Tollerei. Zunächst ist einiges richtig zu stellen. Erstens hat Raphael Rosenberg, der Kunsthistoriker der Universität Wien, die österreichische Staatsbürgerschaft, seine Familie stammt aus Wien, sein Vater musste aber 1939 das Land, das Nazi-Gebiet geworden war, verlassen. Zweitens hat die Linzer katholische Privatuniversität in Gestalt von Monika Leisch-Kiesl eine gestandene Östereicherin als Vorstand für ihr Institut für Kunstgeschichte. Drittens ist Paul Naredi-Rainer in Innsbruck zwar Östereicher, aber auch er ist in Deutschland institutionell groß geworden. Viertens wäre zu kolportieren, was die Spatzen von den Dächern pfeifen: Dass an der Kunstuni Linz die Deutsche Gabriele Werner die Stelle der Deutschen Barbara Paul bekommen wird. Am Argument meines Textes, dass die Österreicher sich nicht darüber, dass sie deutsche Studenten mit ihrem Geld großziehen, aufzuspielen zu brauchen, weil sie längst Nutznießer einer Ausbildung sind, die die Deutschen denjenigen angedeihen ließen, die jetzt in Österreich als Professoren arbeiten, an diesem Argument hat sich dadurch nichts geändert. Zehn zu eins, habe ich mir sagen lassen, ist das Verhältnis von deutschen zu österreichischen Kunsthistorikern bei Bewerbungen an den hiesigen Universitäten. Das hat damit zu tun, dass die Deutschen mobiler sind, mobiler, was den puren Ortswechsel angeht, mobiler, weil sie nicht wie in Österreich in der institutionellen Hierarchie hochgereicht werden können, um an der Uni, an der sie ihr Studium begannen, nach Mag.Phil., Doktor und Assistenz irgendwann bei der Professur zu landen, ohne den Fuß woandershin gesetzt zu haben, mobiler, weil sie einfach viel zu viele sind und in den Studiengängen, aus denen sie kommen und denen man gern mit dem Präfix „Orchideen-“ zusetzt, keine Chance haben. Die Österreicher sind nicht schlechter, dümmer, fauler, sie werden einfach zahlenmäßig erdrückt. Quoten für Inländer sind in Zeiten der EU-Bürokratie verboten, und darüber hinaus verdienen die alteingesessenen wissenschaftlichen Mitarbeiter mehr als die neuen Professoren, so dass sie kein Motiv verspüren, sich zu verändern. All das wäre auch nicht weiter schlimm. Vielleicht aber gibt es doch ein Problem, und die meisten, die das artmagazine lesen, werden es kennen. Ein Nebeneffekt dessen, dass die Deutschen in aller Internationalität und Grenzübergreifendheit ihre Ordinarien in Österreich versehen, ist, dass ihre Lehre international und grenzübergreifend ist. Was auf der Strecke bleibt, ist, leider, weitgehend, die österreichische Dimension. Um im Beispiel zu bleiben: die österreichische Kunstgeschichte. Auch das wäre womöglich nicht tragisch. Wenn man aber etwa aufs Belvedere schaut, ist es doch tragisch: Was bleibt, sind dann Wirkungsbereiche wie die von der Frau Husslein. Die österreichische Dimension wird enggeführt, ideologisiert, zum Alleinstellungsmerkmal: Sie wird chauvinistisch. Und es werden weniger, die ausgebildet sind zu widersprechen.

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