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Das Zeitalter Rembrandts: Abfall und Recycling

Ist es Schule oder Umkreis, ist es Werkstatt oder in der Art von? Ist es womöglich eigenhändig? Meister und vor allem ihre Namen pflegen hartnäckig ihr Nachleben, und auch bei der Albertina wird es mutmaßlich so sein, dass einst jedes Blatt, das nach Italien um 1500 aussah, als Raffael erworben wurde und jedes Stück Grafik, in dem sich das Helldunkel des Landes unter dem Meeresspiegel wiederfand, als Rembrandt. Heute hat man, siehe oben, jede Menge Behelfsbegriffe, und auch das ein oder andere Individuum ist in der Zwischenzeit dem Vergessen entrissen. „Das Zeitalter Rembrandts“ wird in der Albertina gegeben. Natürlich ist der Verweis auf die Epoche und aufs Epochale der beste aller Behelfsbegriffe. Und es ist doch ein Surrogat, denn Rembrandt selber, der große Physiognomiker und Erneuerer des Historienbildes, hatte sich bereits 2004 sein Stelldichein gegeben. Zwischen Kanon und Charts besteht immer noch ein Unterschied, und wer den Blockbuster anvisiert, muss sich bisweilen wiederholen. Zumindest im Titel. Wieder greift man ins Volle des eigenen Bestandes, Blätter von insgesamt 70 Vertretern der goldenen Ära des holländischen Barock werden ergänzt von Gemälden, die man sich von überall in der Welt lieh. Der Meister aller Meister ist nur in zwei Räumen zur Präsentation gelangt, um ihn herum stellen sich thematisch aufgereiht die Vorgänger und Nachfolger, die Zeitgenossen, Konkurrenten und Epigonen zum Defilee. Einiges vom Gezeigten firmierte einst als eigenhändig, manches, was jetzt beispielsweise Gerbrandt van den Eeckhout heißt, wird womöglich wieder Rembrandt zugeschanzt. Die Holländer haben es schwer in den Museen, wenn sie nicht Vermeer, Hals oder eben Rembrandt heißen. Eine ausufernde Bilder-Industrie war entstanden in jener Sphäre, wo der Geist des Kapitalismus der protestantischen Ethik entsprang. Der „Abfall der Niederlande“ war nicht nur ein historisches Ereignis, und gern einmal geht man auf dem Weg von den Flamen zu den Franzosen ziemlich schnell durch diese Säle hindurch. Dagegen spielt die Albertina nun ihren Trumpf aus. Es ist der alte, der banale, derjenige des größten Grafikhauses in der Welt. Denn es sind die Drucke und Zeichnungen, die Kleinformate und Etüden, die das Zeitalter skizzieren. Und sie sind es, die die Schau zu einem Erlebnis machen.
Das Zeitalter Rembrandts
04.03 - 21.06.2009

Albertina
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel: +43 1 534 83 -0, Fax: +43 1 533 76 97
Email: info@albertina.at
http://www.albertina.at
Öffnungszeiten: Tägl. 10-18h, Mi 10-21 h


Ihre Meinung

3 Postings in diesem Forum
Oh ...
WS | 09.03.2009 11:56 | antworten
... "die Albertina" - seit seinem Direktoriumsantritt offenbar synonym mt K.A.Schr. - darf gelobt werden (wenn auch erst im letzten ArtikelSatz).
eine großartige ausstellung
M.W. | 05.04.2009 11:32 | antworten
ich hatte bereits die gelegenheit bzw. das große glück, die betreffende ausstellung mit werken rembrandts und dessen zeitgenossen in der albertina zu besuchen und war von dem gezeigten begeistert! und das obwohl ich gestehen muss, dass ich viele der präsentierten künstler weder beim namen kannte, noch mir deren werke ein begriff waren. doch genau diese diskrepanz zwischen scheinbar namenlosen "gelegenheitsmalern" und dem weltberühmten meister rembrandt macht den flair besagter schau aus. zum besseren verständnis empfiehlt sich übrigens die verwendung eines audioguides, der nicht nur interessante infos zu den einzelnen bildern sondern auch zum hintergrund deren entstehung bereithält. großes lob an die organisatoren!
schönes, goldenes Zeitalter
Gudrun M. | 10.04.2009 02:21 | antworten
Man kann erkennen, dass große Städte auch große Künstler angezogen haben, dass man hier wirklich von einem goldenen Zeitalter sprechen kann. Und das umfasst nicht nur Rembrandt sondern eine Vielzahl an Künstlern, auch eben nicht nur eine Gattung, sondern die Ausstellung macht auch sichtbar wie different es war, Landschaftsmalereien, Porträts, Zeichnungen, Skizzen, alles vereint - das erst ergibt ein komplettes Bild! Wahnsinnig schön gestaltet, ich kanns nur jedem ans Herz legen, der in Wien ist sich das anzusehen!

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