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Hommage an Rudolf Schwarzkogler: Blut und Hoden

\"Rudolf Schwarzkogler ist uns jedenfalls näher als andere Körper-Authentiker des Wiener Aktionismus, weil er bereits \virtueller\ agierte, d. h. im Hinblick auf spätere Fotos.\" Diese Meinung, der der Autor dieser Zeilen sich im übrigen nur anschließen kann, stammt von den deutschen Kunst & Comic-Artisten Anna und Bernhard Blume. Eingeholt wurde sie von der Galerie Krinzinger, die gerade 3o Jahre alt geworden ist. In der \"Hommage an Rudolf Schwarzkogler\", den Blut und Hoden-Arrangeur, feiert man sich selbst gleich mit. Schließlich verwaltet Ursula Krinzinger, zusammen mit Schwarzkoglers Lebensgefährtin Edith Adam, den Nachlass des Frei-Körper-Kultisten. Chris Burden ist ebenfalls mit einer Meinung vertreten, und auch ihr lässt sich wohlfeil zustimmen. Die Amerikaner, so erzählt der Veteran einer West Coast - Kunst, würden nur zu gern glauben, Schwarzkogler habe sich erst kastriert und dann umgebracht. So stellt man sich eben Wien vor, als Melting Pot von Freud, Weininger und Nazi-Schergen, und Schwarzkogler wäre dann das alles in Personalunion. Dabei ist sein Tod bis heute mysteriös. Und sein Werk ist Inszenierung. Die Arbeiten, die die Hommage begleiten, sind durchweg weniger interessant als die Künstler-Statements. Das liegt daran, dass sie so perfekt funktionieren. Eva Schlegel präsentiert einen ihrer verschatteten Pornos, Chris Burden zeichnet Penisse, und Marina Abramovic hockt auf einem Berg von Rinderknochen: All das reiht sich derart explizit in die Aktionisten-Abfolge, dass man weniger den Mut der Künstler zum Ideen-Unterschleif als jenen der Galerie zur Auswahl der allereindeutigsten Bezugnahmen bewundern muss. Eine Foto-Folge von Jürgen Klauke sieht vollends aus wie das dreisteste Schwarzkogler-Plagiat. Dazu gibt es reichlich Brus-Mühl-Nitsch-Material und schließlich die Originale des Meisters selbst. Eine höchst homogene Veranstaltung ist daraus geworden, ganz ohne Ecken und Kanten, eine Hommage eben mit der dem Thema entsprechenden Menge an Schleim und Schleimigkeit. Gut, dass es die Statements gibt. \"Hergottgeschnitzt aus Elfenbein und seinem Turm\", so erinnert sich Brus an Schwarzkogler. Womöglich ist das besser als alle Orgien und Mysterien und das ganze Theater.
Hommage an Rudolf Schwarzkogler
31.01 - 20.04.2002

Galerie Krinzinger
1010 Wien, Seilerstätte 16
Tel: +43 1 513 30 06, Fax: +43 1 513 30 06 33
Email: krinzinger@galerie-krinzinger.at
http://www.galerie-krinzinger.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 12-18, Sa 11-14 h


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