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Andreas Slominski - Roter Sand und ein gefundenes Glück: Aufwandsentschädigung

"Vor der Ausstellungseröffnung wurde vom königlichen Park in London aus über den Zaun eine Skipiste bis in die Serpentine Gallery gebaut und mit Schnee bedeckt. Skifahrer fuhren auf der Loipe vom Park bis in die Ausstellungsräume, wo das Wachs von den Unterseiten der Skier abgezogen wurde. Diese Fahrt wurde so lange wiederholt, bis genug Wachs gesammelt rar, um eine Kerze herzustellen." Dieser Beschreibung aus der Begleitbroschüre zu Andreas Slominskis Ausstellung im Frankfurter Museum Moderner Kunst ist nur noch eines hinzuzufügen: Dass sie in der Schau zu sehen ist, die Kerze, grünlich unscheinbar, etwa 20 Zentimeter hoch, von einem Glassturz in die deklamatorische Fasson gebracht. Das ist die Welt des Andreas Slominski. Das Performative und das Handlungsorientierte, das Mühevolle und das himmelschreiend Überkandidelte verbinden sich zu einem, nun ja, neuen Skulpturenbegriff, bei dem das Banale eine Art Aufwandsentschädigung darstellt. Man erinnere sich diesbezüglich auch an den - nicht präsentierten - Fahrradreifen, der sich bei den SkulpturProjekten Münster 1997 um eine Straßenlaterne wand, angebracht allerdings dergestalt, dass man dafür den Beleuchtungskörper aus seiner Verankerung holte und den Schlauch von unten her anlegte. Die Schau im MMK ist durchaus eine Retrospektive, und weil Slominski neben unmittelbar Eingängigem und in seiner Eingängigkeit auch herzerfrischend Dämlichem wie dem "Ofen zum Verbrennen von Astgabeln", der sich eben in Ypsilon-Form darbietet, oder dem "Rollstuhl zum Queren der Treppe von Odessa", der in Anspielung an die berühmte Szene aus Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" in der Höhe versetzte Räder trägt, auch eher komplizierte und ganz dem Prozedere ausgelieferte Beispiele seines, nun ja, neuen Skulpturenbegriffs vorführt, bedarf es mit Fug der Begleitbroschüre. Das macht nichts, man liest ja gern in den Erläuterungen, und der Text war immer schon das Medium der Kunst. Prekärer wird es, wenn der Markt sich des Talents bemächtigt. Verkäufliches und allzu Verkäufliches hat Slominski also auch ins Museum bringen lassen, tafelbildartige Gewerke aus Styropor und Sprühlack zum Beispiel, die in peinlichem Polymer und falscher Farbigkeit offenbar für schlechten Geschmack stehen sollen, den das Prinzip Kunst immer schon wieder zu einem guten macht. Auch eine Aufwandsentschädigung. Und ziemlich banal.
Andreas Slominski - Roter Sand und ein gefundenes Glück
23.09.2006 - 28.01.2007

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