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Adam Adach - Stille Beobachtung: Unheilige Zeit

Nachdem sie sechzig Jahre lang ihre Nachkriegswunden geleckt haben, zeigen die Polen heute der Welt, wie es sich lebt im Opferstatus. Antisemitismus, Schwulenhetze und stramm rechte Parolen schießen ins Kraut, und die seltsamen Zwillinge, die dem Land und Europa in den Ohren liegen wie Tick, Trick und Track ihrem Onkel Donald, haben sie gerade noch gebraucht. Als jemand, der aus der Täternation kommt, darf man obiges natürlich nicht schreiben. Geschieht dies hiermit trotzdem, so sei Adam Adach als Zeuge aufgerufen, der gerade in der Galerie nächst St. Stephan seine zweite Einzelschau vor Ort absolviert. Adach ist Pole, aber hat lange in Frankreich gelebt, er ist mit Bernard Frize befreudet, über den der Kontakt nach Wien hergestellt wurde. Jetzt lebt Adach, Jahrgang 1962, wieder in der Heimat, und er scheint seinen Augen nicht zu trauen. Zur Rückversicherung malt er Bilder, ganz andere als sie sonst bei Rosemarie Schwarzwäler ausgestellt sind, realistische, düstere, wirklichkeitsgesättigte. Dass das zum einen im Trend liegt und Malerei aus Polen ingesamt seit Maciejowski oder Sasnal ebenso, wird zumindest niemanden groß stören. Drei Ministerien hat Adach auf die Leinwand gebannt, für Gesundheit, Kommunikation und Erziehung, und sie führen als Schlüsselressorts vor, wie nahtlos man sich den Übergang vom Stalinismus zum Regime der Gegenwart vorzustellen hat. Es sind keine Konterfeis tatsächlicher Bauten, doch die Erinnerung lädt sie spontan auf mit Plausibilität, und der Reichsadler bleckt vom Dach herab mit den Zähnen. Immer wieder ist Komplizenschaft Adachs Thema, zwischen den Nazis gestern und heute, personifiziert zum Beispiel in Zarah Leander, dem Idol von Blut und Boden, oder präfiguriert von Georg von Schönerer, dem Begründer der Wienerischen Variante von Rassenhass. Adachs Ikonografien erklären sich aus genuin polnischen Bedingungen, und der Neonazi in einschlägiger Jacke, dessen Bild namens "Stille Beobachtung" der Schau den Titel gibt, funktioniert ebenso milieukonform wie die Heldin der Arbeit aus der selig kommunistischen Ära. Zu lachen gibt es wenig in Adachs Welt, der vom Schrecken grundierte Ton, der über allem liegt, bleibt heftig im Moll. Adach bedient sich dafür sehr klassischer Mittel, einer Stillage des Sublimen etwa oder des Altarschemas von Di- und Triptychon. So malt er an gegen die unheilige Zeit. Ein heroisches Unterfangen.
Adam Adach - Stille Beobachtung
15.09 - 04.11.2006

Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder
1010 Wien, Grünangerg. 1/2
Tel: +43 1 5121266, Fax: +43 1 5134307
Email: galerie@schwarzwaelder.at
http://www.schwarzwaelder.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 12-18h
Sa: 11-16h


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