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Nothing But Pleasure: Die Spaß-Gesellschaft

Mit der Kunst, so weiß die Dekonstruktion, verhält es sich wie mit dem Witz. Wenn er gut ist, muss man lachen, auch wenn man eigentlich nicht wollte. Ist er schlecht, hilft auch das beste Vorhaben nichts. Der Konnex des Komischen mit dem Ästhetischen konnte so erst in der Postmoderne auftauchen, und in der Tat darf es seit Polke, Kippenberger oder Richard Prince, der auf seinen Leinwänden gar Jokes zum Besten gibt, auf drastische Weise humorig zugehen. Vorher, in der orthodoxen Moderne, musste man zum Lachen ja in den Keller. In der BAWAG Foundation nimmt man den Konnex des Komischen mit dem Ästhetischen nun ganz ernst und versucht sich in "Nothing But Pleasure". Nichts als Vergnügen soll die Gruppenschau machen, und angesichts der fetten Thesen, für die heutzutage ganz ohne Scherz offenbar die Kuratoren zuständig sind, ist der kleine Hinweis auf den Spaß in aller Großzügigkeit angebracht. Die Jux-Gesellschaft soll ganz bei sich sein, und die Party geht in den Bildern weiter. Das funktioniert bisweilen gut: "Der Lauf der Dinge" von Fischli/Weiss ist längst ein Klassiker, die Spaßvögel von Gelatin lassen sich wieder einmal in die Lagune fallen, und Rodney Graham kommt mit seinem "Stadtmensch-Landmensch" - Loop daher, denn Arschtritte sind immer gut fürs Lustigsein. Auch Georg Herolds Lattenästhetik hat sich längst bewährt, wenngleich das diesmal Zusammengenagelte dem Jahr 2006 entstammt. Ein wenig seriös Dreinschauen, wie John Bock es vorführt, hilft der Ironie auf die Sprünge, und Peter Lands stoischer Entenjäger, dem das Boot unter dem Hosenboden auf den Moorgrund dümpelt, hat beste Aussichten auf den Tor des Jahres. Es sind also durch die Bank die eher angestaubten Witze, über die man sich freuen kann. "For Your Pleasure" nannten Roxy Music eines ihrer Alben, und es war diejenige Band, die nackte Girls auf ihren Covern platzierte, weil die von jeher für das Augenmerk sorgen. Das war in seiner himmelschreienden Konventionalität witzig, weil es zynisch war. "Nothing But Pleasure" ist auch konventionell, aber es ist überhaupt nicht zynisch. Ein wenig fehlt der Ausstellung deshalb auch der Witz. Jener Witz, über den man zuletzt lacht. Und über den lacht man am besten.
Nothing But Pleasure
30.06 - 30.09.2006

BAWAG Foundation
1040 Wien, Foundationsquartier, Wiedner Hauptstraße 15
Tel: +43 1 504 98 80 38, Fax: +43 1 504 98 80 39
Email: foundation@bawagpsk.com
http://www.bawag-foundation.at
Öffnungszeiten: Di bis So, feiertags 11 bis 18, Do bis 20 Uhr


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