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MP, MQ and others: Herausforderung zum Nachdenken

Galeristen unterscheiden sich von anderen Teilnehmern am Kunstbetrieb dadurch, daß man sie meist persönlich antrifft. Unermüdlich befinden sie sich vor Ort und geben den vereinzelt Eintretenden das Gefühl, gerade auf sie gewartet zu haben. Sodann erklären sie einem die Kunst, und zwar auf drei verschiedene Arten. Die einen zücken einen Katalog oder eine Zeitschrift und dreschen aus dem Werk, das sie feilbieten, dadurch Bedeutung heraus, daß sie die in den Druckwerken befindliche Abbildung danebenhalten. Die zweiten sind mit dem Künstler prinzipiell per Du und per Vornamen, sie wissen alles über dessen persönliche Vorlieben und entdecken sie in der Arbeit dann wortreich wieder. Die dritten schließlich sprechen nicht so gern über die Exponate und über ihre Produzenten; schließlich haben sie am Morgen die Zeitung und am Abend davor womöglich ein Buch gelesen, und das finden sie dann für den Moment auch ungleich bemerkenswerter. Der Wiener Galerist Hubert Winter gehört zur dritten Sorte. Wie viele, denen der Smalltalk über Kunst suspekt ist, hat er einen eher herben Geschmack, geschult am Purismus von Minimal oder gleich orientiert an der Theorie. Einige der Stücke, an denen er seinen Gusto trimmt, hat er nun zu einer Accrochage gefügt, Arriviertes von Richard Nonas oder Guillaume Bijl, Strenges von Roni Horn oder Richard Tuttle, Gedankliches von Lawrence Weiner oder Fred Sandback, Aktuelles von Birgit Jürgenssen oder Urs Lüthi und Junges von Andrea Pesendorfer oder Michael Höpfner. Weil diesen Arbeiten allerdings völlig der Plauderton fehlt, hat der Galerist sie mit Wortreichtum aufgeladen und zu jeder einzelnen ein Zitat herbeiassoziiert, Schlaues und Genaues aus Zeitungslektüre und Buchkontakt. Daß er Alexander Kluges Opus Magnum \"Chronik der Gefühle\" schon bis Seite 908 durchhat, denn genau von hier schien ihm eine Stelle für Fred Sandback passend, können wir, die wir immer noch am Anfang kleben, kaum glauben. Doch Hubert Winter ist ein Bibliomane und seine Quellensammlung eine schöne Herausforderung zum Nachdenken. Jetzt muß er uns nur noch erklären, was er mit dem Titel \"MP, MQ and others\" wollte.
MP, MQ and others
15.06 - 01.09.2001

Galerie Hubert Winter
1070 Wien, Breite Gasse 17
Tel: +43 1 524 09 76, Fax: +43 1 524 09 76 9
Email: office@galeriewinter.at
http://www.galeriewinter.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 11-18h
Sa 11-14h


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