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Noch ein Jahresrückblick

Auch wenn Sie vor lauter Köpfen des Jahres nicht mehr wissen, wo Ihnen der Schädel steht, einen Rückblick auf 2001 müssen Sie noch über sich ergehen lassen: den folgenden. Er soll vom Kunstbetrieb handeln und den Hopps und Flopps, die er sich in diesem Jahr geleistet hat. Zwar erscheint dieser Rückblick im Internet und deshalb in potentiell weltweiter Verbreitung, doch wird er auf die hiesigen, d.h. österreichischen, d.h. Wiener Verhältnisse beschränkt bleiben (was es denjenigen, die sich womöglich darüber echauffieren, leichter macht, das Ganze belanglos zu finden). Das größte Ärgernis und die größte Nichtigkeit des Jahres finden keinen Eingang in die Liste: Das Leopold-Museum und das MUMOK sind kein ästhetisches, sondern ein gesellschaftliches Problem.

Ausstellungsinstitut des Jahres:
Es ist eine Galerie, Georg Kargl, der immer wieder zeigt, daß staatliche Alimentierung nicht nötig ist, um Wegweisendes und Museumswürdiges zu bringen. Die Subventionierten können sich an die Nase fassen.

Mittelmaß des Jahres:
Die Sammlung Essl, die wieder einmal viele Ausstellungen gebracht hat, von denen man beim besten Willen nicht mehr weiß, wie sie waren und was sie wollten.

Aufsteiger des Jahres:
Die BAWAG Foundation, deren Räume so schlecht sind, daß man kaum merkt, wie sie in puncto Avanciertheit den Kollegen von der Generali langsam den Rang abläuft

Künstler des Jahres:
Markus Muntean/Adi Rosenblum, die beweisen, daß eine "Malerei des modernen Lebens" auch im 21. Jahrhundert die zentrale Aufgabe der Kunst ist.

Ausstellung des Jahres in einem öffentlichen Forum:
Martin Gostner, dessen unscheinbare, unprätentiöse Installation im Café der Secession Witz und Gesellschaftskritik, historische Sensibilität und persönliches Statement beispielhaft zusammenbrachte.

Ausstellung des Jahres in einer Galerie:
Rainer Ganahl bei nächst St. Stephan, dessen Dokumentation von Leben und Erleben österreichischer Emigranten nachhaltig in Erinnerung rief, was in diesem Land verlorengegangen ist.

Flop des Jahres:
Hans Haacke in der Generali Foundation, der zeigte, daß es gedanklich allzu dünn ist, gegen Schwarz-Blau zu demonstrieren, indem man in Schwarz und Blau "Mia san mia" an die Wand malt.

Kurator des Jahres:
Thomas Trummer von der österreichischen Galerie, der jetzt mit den Augarten-Ateliers und namentlich der "Waste Land"- Präsentation andeutet, was eine gute Ausstellung ist.

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