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Haider als Linksliberaler

Leider hat der Berichterstatter wenn nicht das A und O, so zumindest das A des Journalismus vernachlässigt. Er war seinerzeit so vollauf damit beschäftigt, seinen Ohren nicht zu trauen, dass er völlig übersah mitzuschreiben. Das Papier herauszuholen, den Kugelschreiber anzuwerfen und die Blüten einzusammeln, die vom Rednerpult aus in die Runde geworfen wurden. Frau Agnes Husslein war im Begriff, das Museum Moderner Kunst Kärnten zu inaugurieren. Nicht nur, dass die Unwahrheit gesagt und von einer Zobernig-Ausstellung geredet wurde, die längst storniert war. Es war viel mehr noch der Duktus der Rede, der Jargon und die Aussagen. Mit ihnen hatte die Frau Husslein einen Fond gespannt, dass die darauf folgenden Auslassungen des Herrn Landeshauptmann Haider sich anhörten, als entstammten sie der Betroffenheitsrhetorik eines Linksliberalen. Ich war damals eine der wenigen Figuren des Kunstbetriebs, die der Angelegenheit beiwohnten. Die meisten waren ja urplötzlich von Krankheiten heimgesucht worden, hatten buchstäblich den Zug und im übertragenen Sinn den Anschluss verpasst. Niklas Maak von der F.A.Z. war auch da, und in seinem daraufhin ins Werk gesetzten Text schimpfte er gewohnheitsmäßig auf Haider, um sich nicht anmerken zu lassen, dass er nichts kapiert hatte. Interessanter nämlich waren allemal die Ausführungen der Frau Husslein. Interessant, dachte ich, wie weit man gehen kann mit seinem Opportunismus. Leider habe ich nicht mitgeschrieben und habe nichts zum Zitieren jetzt. In "NEWS" lässt sich die Frau Husslein schon seit einigen Wochen als neue Belvedere-Chefin besingen. Nach Lage der Dinge scheint die Inthronisierung unvermeidlich. Zwar gäbe es noch Peter Pakesch, der zwar kein abgeschlossenenes Hochschulstudium hat, aber eine Figur abgibt wie wenige in Österreich, eine veritable Kunstbetriebsgröße, ohne die die Szene enger wäre hierzulande. Und die Frau Minister Gehrer könnte auch jemand ganz anderen bestellen, doch der Herr Generaldirektor Seipel, der der Berufungskommission fürs Belvedere angehörte, wird sich hüten, ihr einen Namen einzuflüstern, der alles noch einmal durcheinander bringt. In "NEWS" darf sich die Frau Husslein also schon einmal abholen, sie wäre "qualifiziert". Und sich gleich per Überschrift vernehmen lassen, sie sei "allergisch gegen Parteipolitik". Dann war das damals in Klagenfurt also kein Kalkül mit den Weltbildern der FPÖ? Es war kein Opportunismus? Dann war das stramm Reaktionäre ihrer Rede am Ende auch noch authentisch?

Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Wieso "scheint" unvermeidlich?
clemens stecher | 13.03.2006 06:47 | antworten
Die Sache ist doch längst beschlossen, "News" druckt hier ausnahmsweise einmal nicht ausschliesslich Gerüchte und Halbwahrheiten.

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