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Das Rhizom aus Stockerau

Es gibt Dinge, das steht man machtlos vis-à-vis. Zum Beispiel bei der folgenden Meldung aus dem \"Standard\": \"Österreich wird bei der Biennale Sao Paulo 2002 durch Georg Thomann (Jahrgang 1945) vertreten. In sein Projekt Yes Sir, I can network it out, Sir! , Smells like team spirit, Sir! , We are the world, we are the children, Sir! sind vier Künstler bzw. Künstlergruppen involviert: die \"Medienmoguleri\" monochrom, der Ton- und Computerkünstler Tonki Gebauer, die Interventionsgruppe 320x200 und Richard Wientzek, der sich dem \"resoulment\" der Malerei verschrieben hat . Die Biennale eröffnet am 23.3.\" Das einzig Nachvollziehbare an diesem kryptischen Text ist das Datum der Eröffnung. Ansonsten hinterläßt er den Kunstfreund, der ja immer alles kennt und vieles weiß, völlig ratlos. Nichts davon war ihm jemals zu Gehör, geschweige zu Gesicht gekommen, und doch tut der Text, der ziemlich genau in der Art, wie er dann abgedruckt wurde, aus dem Bundeskanzleramt kam, so, als sei alles klar. Ausstellungspolitik für Eingeweihte, so sieht es aus, und unsereiner gehört einfach nicht dazu. Die Biennale von Sao Paulo ist gerade nicht eine der vielen Zweijahresschauen von Berlin bis Tirana, die es einmal gibt, weil die Landes- oder Stadtobrigkeit auch so etwas haben will. Sao Paulo ist die zweitwichtigste der Biennalen, und zuletzt, unter der dreimaligen Kuratorenschaft von Brigitte Huck, holte sich Österreich vor Ort einiges Renommee. Um so unverständlicher, daß man jetzt so unverständlich tut. Herauszubekommen war nun folgendes: die Nachfolgerin von Brigitte Huck ist Zdenka Badovinac und leitet die Moderna Galerija in Ljubljana. Die Kommissärin hat sich für die Stockerauer Gruppe monochrom entschieden, deren Name in obigem Text denn auch der einzige ist, für den eine Realität steht. Alles andere ist offenbar Ergebnis der vielen Lust- und Luftsprünge, die das Sextett sich ausdenkt, dann per Website oder Performance verbreitet und auf der Homepage als \"rhizomatisch\" mit Zeitgeist aufladen läßt. Offenbar hat bei Wahl von monochrom eine Art Gelatin-Effekt gegriffen. Es geht jedenfalls humorig zu, so lustig, daß man kaum mehr mitkommt. Wie es aussieht, hat auch das Ministerium den Überblick verloren. www.monochrom.at

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