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post_modellismus: Mini und Maxi

"Jetzt haben wir die Simulakren der dritten Ordnung vor uns. Es gibt keine Imitation des Originals mehr wie in der ersten Ordnung, aber auch keine Serie mehr wie in der zweiten Ordnung: es gibt Modelle, aus denen alle Formen durch eine leichte Modulation von Differenzen hervorgehen. Nur die Zugehörigkeit zum Modell ergibt einen Sinn, nichts geht mehr einem Ziel entsprechend vor, alles geht aus dem Modell hervor." Die Erkenntnis, dass die Künstler der Gegenwart Modellbauer sind, hat auch schon knapp dreissig Jahre auf dem Buckel, und es war Jean Baudrillard, der sie der Postmoderne verschrieben hat. Die Künstler bauen Modelle, die sich, einmal in die Welt gesetzt, dann ihre Verwirklichungsform zwischen purem Notat, gebauter Architektur, Alltagsdesign oder Tafelbild suchen. Es ist also alles andere als neu, was "post_modellismus" in Ursula Krinzingers Versuchsstation im Wiener siebten Bezirk auf die Beine stellt. Doch gerade deshalb ist es eine wunderbare Ausstellung geworden. Der Modellismus kennt längst eine Generationsfolge, und die lässt sich gleich an sehr triftigen Beispielen nachvollziehen. Es fügen sich entsprechend Fotos von James Casebere, dem Veteranen der Miniaturszenerien, wundervoll mit jenen von Thomas Demand, dem Meister der Papiermodule, zusammen. Oder es gibt zum einen Zbigniew Liberas schauriges Lego-Spielzeug, das Bastelmaterial für Konzentrationslager liefert, und zum anderen Darren Neaves und John Cakes ebenfalls in Lego gehaltene Puppenstuben, in denen Damien Hirsts Hai-Tank seine Kinderzimmerversion erfährt. Der Modellismus kennt auch seine exemplarischen Vertreter. Lois Renner, der Atelier-Allegoriker, ist mit einer besonders schönen Arbeit vertreten, die die Requisiten seiner Inszenierungskunst vorführt, als wäre es ein Stück von Adolph Menzel. Oder Albrecht Schäfer der die Geschichte von Kasimir Malewitsch weitergedacht hat, dessen Avantardistik einst im schwäbischen Biberach gelandet war, und ein Suprematismus-Museum ersann, das per wandfüllender Fotomontage nun zur Science Fiction einlädt. Etcetera. Wie gesagt, eine wunderbare Ausstellung. Und fast alles kann man auch noch kaufen.
post_modellismus
29.09 - 26.11.2005

Krinzinger Schottenfeld
1070 Wien, Schottenfeldgasse 45
Tel: +43 (1) 512 81 42
Email: krinzingerprojekte@gmx.at
http://www.galerie-krinzinger.at/projekte
Öffnungszeiten: Mi-Fr: 15-17h
Sa: 11-14h


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