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Jorge Pardo: Ein Musterbeispiel für nichts

Kunst ist Auslegungssache. Dank des unermüdlichen Apparats der Interpretation wird aus einem schwarzen Quadrat oder einer Alu-Box, einer Teeküche oder einer Kiste Unkraut jenes mit Besonderheit und Wirkmacht und Vieldeutigkeit aufgeladene Phänomen namens Kunst. Was man der Gegenwartsproduktion an Textbezogenheit je nachdem zugutehält oder gegen sie verwendet - Theorielastigkeit, Kommentarbedürftigkeit, Konzeptualität -, entstammt nichts anderem als dem Prinzip Auslegung. Kunst ist immer auch der Versuch, diesem Prinzip Auslegung ein Schnippchen zu schlagen. Was geht noch, ist die manchmal naive und manchmal zynische, aber stets die eigenen Claims absteckende Frage. Duchamp gilt als Patriarch dieser Problemstellung, die Achtziger mit Leuten wie George Condo oder Mike Kostabi waren ihre Belle Epoque. Auf Österreich und auf heute bezogen ist Jörg Schlick einer der umtriebigsten Vertreter. Jorge Pardo sowieso. 1963 in Havanna geboren, in den USA lebend, vertritt der Installateur und Dekorateur und Wiederverwerter die Paradeposition eines ästhetischen Friß-Vogel-oder-Stirb. Bei Meyer Kainer hat er zum einen Streifenbilder an die Wand geheftet, Op-Art-Zombies auf Fotopapier, die einfach dahängen. Zum anderen gibt es eine seiner Lampen, immerhin recht raffiniert gestaltet. Zum dritten prangen Leinwände, denen PVC-Platten appliziert sind, die in Orange- und Rottönen besprüht und schließlich in feister Eigenhändigkeit mit den Namen von Galeristen versehen wurden, die den Künstler in Deutschland vertreten. Aha. Natürlich steckt eine Art Nihilismus dahinter, doch hat er nichts Emphatisches. Das alles gibt es also, wundert sich der Künstler und der Besucher mit ihm, und es schadet ja auch nicht weiter. Vielleicht ist Pardos Arbeit sogar für etwas gut. Fernab, einem raunenden Nichts zu huldigen und große Sinnfragen zu stellen, ist dieses Oeuvre ein Musterbeispiel für nichts. Für nichts, kleingeschrieben. Und für nichts einzustehen, ist womöglich genau der Job der Kunst.
Jorge Pardo
14.12.2001 - 17.01.2002

Galerie Meyer Kainer
1010 Wien, Eschenbachgasse 9
Tel: +43 1 585 72 77, Fax: + 43 1 585727788
Email: contact@meyerkainer.com
http://www.meyerkainer.com
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Sa 11-15h


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