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Barbara Mungenast: Malerei als Ready Made

Seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts kann man Farbe in der Tube kaufen. Dies hat nicht nur den Plein-Air-Landschaftern das Geschäft erleichtert, sondern auch den Theoretikern der Malerei, die sich nicht mehr mit solch praktischen Dingen beschäftigen mußten, wie man mischt und was das kostet. Orthodox formuliert, ist Malen seither eine Sache des ReadyMades. Man läßt aus dem Behälter Fertigware hervorquellen und fügt sie zu jener Assemblage, die das Prinzip der schon vorproduzierten Farbe auf der vorproduzierten Fläche nun einmal darstellt. Als Duchamp mit den Gemälden aufhörte und dafür Gegenstände wie Flaschentrockner auf Sockel stellte, mußte er sich so gesehen nicht sehr verändern. Die Nähe von Malerei und ReadyMade kommt auf das Vortrefflichste in den Bildern von Barbara Mungenast, die derzeit bei Gabriele Senn zu sehen sind, zur Kenntlichkeit. Wie Abziehbilder liegen die Schichten und Schlieren und Schründe des Kolorits auf der Leinwand, eine zweite Haut gleichsam, die sich jederzeit an einen anderen Körper anlegen könnte. Diese Losgelöstheit verdankt sich vor allem der Technik. Das Farbmaterial, Acryl, wird auf dem Boden ausgebreitet und der Bildträger sodann darauf gelegt; die Lage, die an der Leinwand hängenbleibt, verdankt ihre Haftung weniger dem Amalgam mit der Fläche als einer Art Kaugummieffekt, einer buchstäblichen Kohärenz der luftundurchlässigen Farbschicht, die Blasen bildet und sich durch eine Art Sog andrückt. Die 1960 in Imst geborene Künstlerin setzt dieses, Drucktechniken auf den Kopf stellende, Verfahren mehrere Male pro Bild ein: Der Überzug wird immer dicker und die Oberfläche immer bunter. Die Leinwand dahinter wird immer einsamer. Das Medium der Malerei, so zeigt sich, ist nicht die Bildtafel, sondern die Farbschicht.  
Barbara Mungenast
20.02 - 30.03.2001

Gabriele Senn Galerie
1040 Wien, Schleifmühlgasse 1 a
Tel: +43 1 585 25 80
Email: office@galeriesenn.at
http://www.galeriesenn.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-17h, Sa 11-14h


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