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Mehr Produktion! Mehr Diskurs!

Gemeinsam mit Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler präsentierte Michelle Cotton, die neue Direktorin der Kunsthalle Wien, heute eine erste Vorschau auf das Programm unter ihrer Leitung. Cotton, die zuletzt am MUDAM Luxembourg Programmverantwortliche war, soll den beiden Standorten wieder zu mehr Besucher:inen verhelfen, denn diese haben sich seit der Pandemie immer noch nicht erholt. Nach nur 27.000 Besucher:innen, stieg die Zahl im Jahr 2022 auf immerhin knapp 58.000. Für das Jahr 2023 wurde im Jahresbericht keine Zahl angegeben.
Ob das so schnell gelingen wird, kann Michelle Cotton nicht garantieren, sie hat aber in ihren früheren Arbeitsstätten immer wieder mit Vermittler:innen gearbeitet, um neue Zielgruppen zu erreichen. „Um neue Besucher:innen anzusprechen, muss man sie dort treffen, wo sie sich befinden – körperlich und intellektuell.“, meint Cotton. Dafür will sie auch Kooperationen mit unterschiedlichen Institutionen aufbauen, die bereits in der Stadt existieren.
Womit sie sich gleich zu Beginn ihrer Amtszeit auseinandersetzen muss, ist die leidige Situation der Sichtbarkeit der beiden Ausstellungsgebäude. Am Karlsplatz wird ab Herbst dieses Jahres die Raumstruktur der Halle zugunsten der Kunst verändert. Das Café muss in Zukunft mit weniger Platz auskommen und der Vortragsraum wird ebenfalls als Ausstellungsraum nutzbar gemacht. Wieder eröffnet wird dann im Jänner 2025 mit der Ausstellung zum Preis der Kunsthalle Wien – diesmal wieder reduziert auf zwei Gewinner:innen. Unter den Vorgängern WHW hatte man sich dazu entschieden, allen Künstler:innen der Shortlist eine Ausstellung zu widmen. Die Konzentration auf zwei Positionen soll diesen mehr Raum für ihre erste institutionelle Ausstellung zur Verfügung stellen.

Die Kunsthalle im Museumsquartier wird wieder den größeren Eingang rechts der ehemaligen Winterreithalle nutzen. Der bisherige, seitliche Kassenraum wird in Zukunft für Veranstaltungen, Workshops und Vermittlungsprogramme genutzt. Besonderes Augenmerk will Michelle Cotton auf gute Verbindungen zu den in Wien lebenden und arbeitenden Künstler:innen legen. So wie ein Museum sich zuallererst über seine Sammlung definiert, müsse sich die Kunsthalle Wien über ihre Verbindungen zur lokalen Kunstszene definieren, so Cotton. Die Tradition der großen Überblicksausstellung nach dem Vorbild von „Lebt und arbeitet in Wien“ soll die Szene ebenso näher an die Kunsthalle Wien binden, wie Workshopprogramme und Vermittlungesformate mit Künstler:innen. Die erste dieser Ausstellungen wird im Jahr 2026 stattfinden.

Das von Michelle Cotton konzipierte Ausstellungsprogramm im Museumsquartier startet am 4. September mit der Eröffnung der ersten institutionellen Übersichtsausstellung des Werks der in Novi Sad geborenen Künstlerin Aleksandra Domanović. Sie derzeit in Berlin lebende Künstlerin hatte in den Jahren 2001 bis 2006 an der Universität für angewandte Kunst in Wien studiert. Zuletzt wurden Arbeiten von ihr auf der Pandemie-Pop-Up Kunstmesse Interconti Wien im Jahr 2021 und der Vienna Biennale 2017 im MAK gezeigt. Im Oktober folgt dann der Film La Gola des in Italien geborenen Künstlers Diego Marcon, dessen Präsentation die gesamte untere Ausstellungsebene einnehmen wird. Aktuell zeigt der Kunstverein in Hamburg den Film in einer Rauminszenierung. Wieder belebt wird von Michelle Cotton die viele Jahre vergessene Reihe an Schaufenster-Vitrinen auf der Rückseite des Backstein-Baus der Kunsthalle. Nora Turato, die im Jahr 2021 von der Secession gezeigt wurde, soll dafür eine neue Arbeit entwickeln.
Im Februar 2025 werden dann beide Ausstellungsebenen im Museumsquartier die große Gruppenausstellung Radical Software: Women, Art & Computing 1960–1991 beherbergen, die Arbeiten von rund 50 Künstlerinnen präsentiert, die in der Vor-Internet-Zeit bereits mit digitalen Medien gearbeitet haben.

Nachhaltig, langlebig, stabil und stimmig müsse eine Institution wie die Kunsthalle Wien sein, so Michelle Cotton in ihrem Statement zur Rolle der Kunsthalle in der Stadt. Sie will mit ihrem Programm hinauswirken in diverse Communities in der Stadt und der Kunsthalle internationale Strahlkraft verleihen und nicht zuletzt, wieder mehr Besucher:innen gewinnen und an das Haus binden.

⤇ www.kunsthallewien.at

Mehr Texte von Werner Remm

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