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Preistr├Ąger:innen der Outstanding Artist Awards 2023

Das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport zeichnet mit dem Outstanding Artist Award jährlich Künstler:innen aus, die ein aussagekräftiges Oeuvre vorweisen können und deren Arbeiten von künstlerisch überregionaler Bedeutung sind. Der Award ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert. Die Auswahl der Preisträger:innen erfolgt durch unabhängige Experten:innenjurys.

Franz Kapfer – Sparte Bildende Kunst

In seinen Projekten beschäftigt sich Franz Kapfer vorwiegend mit Themen der Macht- und Männlichkeitskulte. Er begreift identitätspolitische Ästhetik als historisches Phänomen. Kapfers Beschäftigung mit Nationalismen zeichnet sich durch einen methodischen Zugang aus und schließt aktuelle Phänomene nationalistischer Gruppierungen mit ein. Seine meist installativen Werke arbeiten sich an der Repräsentationsästhetik unterschiedlicher Machtsysteme ab und bauen diese mit „billigen“ Materialien, wie Sperrholz nach.

In seinen frühen Arbeiten thematisierte der Künstler in Fotoserien und Performances den zeitgenössischen Körper und Sexualität im Kontext von männlichen Identitätskonzepten, Familie und Katholizismus. Seine Werke nahmen in unmittelbarer Weise die Tradition der Performance-Kunst und Body-Art der 1970er Jahre auf und überarbeiten diese aus zeitgenössischer Perspektive. Kapfers Arbeit ist umso wichtiger in Zeiten, in denen eine Politik an Macht gewinnt, die auf Ressentiments und der Wiederbelebung von Hierarchien und Privilegien – denen des Geschlechts, der Herkunft und Abstammung sowie der Klasse – basiert.

Anna Vasof – Sparte Experimentalfilm

Ihr visuelles Werk zeichnet sich durch eine Faszination für technische Objekte, Mechanismen und Apparate aus, die sie auflädt, zweckentfremdet, aber auch neu erfindet, etwa die so genannten „Mechanisms of Happiness“, welche soziale Praktiken für den Menschen übernehmen. Ihr Interesse gilt dabei älteren Maschinen (dem Geschirrspüler, dem Bügeleisen) genauso wie aktuellen Tools wie dem Smartphone.

Die Arbeit von Anna Vasof, die als Person mit ihrem Körper, ihrer Biographie, ihren Emotionen auch Protagonistin des eigenen Werkes ist und teilweise vor der Kamera mit den Objekten verschmilzt, zeichnet sich durch einen ebenso nüchternen wie humorvollen Zugang aus. Die Künstlerin sticht auch durch ihre Beschäftigung mit dem experimentellen österreichischen Filmerbe heraus. In dieser Tradition verankert, experimentiert sie mit dem Kino und dessen Projektionsapparaturen, dekonstruiert filmische Effekte mithilfe analoger Animationen und konstruiert wiederum eigene Maschinen und Mechanismen.

Anna Vasof als reine Filmkünstlerin zu bezeichnen, würde jedoch zu kurz greifen, sie arbeitet transmedial, Sparten- und Disziplinen übergreifend und nutzt das Internet als Präsentations- und Experimentierraum.

Nilbar Rein – Sparte Künstlerische Fotografie

In ihrem Werk schafft es Nilbar Rein, gesellschaftspolitisch strittige Themen spielerisch zu verhandeln, ohne dabei plakativ zu werden oder den Ernst der Thematiken aus den Augen zu verlieren. Rein setzt sich auf innovative Art und Weise mit der Konstruktion von Identitäten, Geschlechtern, Kultur und Rollen auseinander. Der oft unsichtbare Rand steht bei ihr meist im Zentrum.

In ihren bestechend schönen und klug inszenierten Fotografien erzählt sie von Diskriminierung, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit, Freiheit, Sexualität und Sexismus. Dabei verweist sie mit viel Witz auf Religion, Kunst- und Alltagsgeschichte, hinterfragt traditionelle Narrative und deren Ikonografie.

Manuela Luksch – Sparte Medienkunst

Die Arbeit von Manuela Luksch setzen sich kritisch mit den Themen der urbanen Überwachung, Datenmissbrauch und Kontrollgesellschaft auseinander. Luksch hat sich in ihrer über 20-jährigen Praxis eine herausragende internationale Position in der künstlerisch-aktivistischen Erforschung und kritischen Reflektion von neuen Technologien erarbeitet, wofür sie in den letzten Jahren mit internationalen Preisen und Fellowships ausgezeichnet wurde.

Ihr vielfältiges Werk reicht von Filmen und Performances über Installationen und responsive Environments bis zu Point-Cloud Skulpturen und 3D-Animationen. Ihre Praxis ist von einer tiefgehenden Recherche getragen, die sie häufig mit Partner:innen und Institutionen aus Kunst und Wissenschaft durchführt.

Angefangen von Ambient Information Systems (--> www.ambientTV.NET) – einer Intermedia-Plattform, die sie mit Mukul Patel 1999 ins Leben rief, um kollaborativ an der Schnittstelle von sozialer und technischer Infrastruktur zu arbeiten – über Faceless (2007) – ihrer filmischen Beschäftigung mit urbaner Überwachung und Persönlichkeitsrechten, die auf CCTV-Aufnahmen in London beruht und der Tilda Swinton ihre Stimme lieh – bis hin zu aktuellen Auseinandersetzungen mit algorithmischen Vorhersagetechnologien und ihren ethischen Auswirkungen, zeichnet ihr Werk eine thematische Breite aus, die den enormen Einfluss neuer Technologien auf das tägliche Leben, auf soziale Beziehungen, den städtischen Raum, auf Unternehmen und Regierungen und auf politische Strukturen untersucht.

Die weiteren Preisträger:innen sind:
* Michael Turinsky (Darstellende Kunst)
* Lukas König (Musik)
* Jolanta Wieczorek (Spiel- und Dokumentarfilm)
* Barbara Markovic (Literatur)
* ROSA MOSA (experimentelles Modedesign)
* Schrammel.Klang.Festival (Kulturinitiativen)

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Abbildung: Verleihung: Österreichischer Kunstpreis & Outstanding Artist Award 2023
Foto: P. Lechner/HBF/BMKÖS

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