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Anna-Maria Bogner. Ergo: Gastspiel in der Heimat

Am sechsten Juli eröffnete im Ferdinandeum die Solo-Ausstellung „Ergo“ der in Brixlegg aufgewachsenen und mittlerweile in Düsseldorf lebenden Künstlerin Anna-Maria Bogner. Sie ist die Gewinnerin des RLB-Kunstpreises 2022, der alle zwei Jahre vergeben wird und KünstlerInnen eine Solo-Ausstellung in den Tiroler Landesmuseen ermöglicht. Für Anna-Maria Bogner ist es somit ein Gastspiel in der Heimat, die sie vor vielen Jahren bereits für ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien verließ.

Die bis Ende Oktober laufende Ausstellung zeigt ausschließlich aktuelle Arbeiten, die 2023 entstanden sind. Neben einer fünfteiligen Zeichnung auf Papier, einer Foto- sowie einer Objektarbeit finden sich in den Räumen des Ferdinandeums zwei eigens für die Ausstellung angefertigte Wandarbeiten und eine Installation. Bei diesen handelt es sich, wie für Anna-Maria Bogner typisch, um raumgreifende Arbeiten, die auf den Raum an sich, die zwei- und dreidimensionalen Objektarbeiten sowie auf die Ausstellungsbesucher:innen eingehen. So entsteht der Eindruck, dass es sich bei den präsentierten Arbeiten vielmehr um ein Gesamtkonzept handelt, in dem die einzelnen Werke einerseits aufeinander aufzubauen und andererseits untereinander Bezug zu nehmen scheinen.

Ergo, - also im Sinne des Ausstellungstitels – ist der Beginn aller Zeichnungen der Punkt, der in seiner Addition die Linie schafft, zwei Linien können bereits eine Fläche bilden, während drei Linien Raum bzw. Volumen erzeugen. Schlussendlich entsteht ein logisches „Raum“-Bild, das wie bereits Ludwig Wittgenstein 1922 in seinem Tractatus Logico-Philosophicus feststellte, „eine mögliche Sachlage im logischen Raume darstellt.“[1] Bei Anna-Maria Bogner sind es aber nicht zwingend Bilder, die etwas Bildhaftes abbilden. Dies kann wie bei der fotografischen Arbeit der Fall sein, muss es aber nicht. Vielmehr handelt es sich um Raumbilder, die verschiedene geometrische Bilder zulassen, wobei vermutlich nicht jede:r Ausstellungsbesucher:in dieselben Bilder wahrnimmt. Und somit sind wir bei einem der Kernthemen von Bogners Arbeiten angelangt, nämlich der Wahrnehmung. Diese ist wie die Linie nicht nur unendlich, sondern auch individuell, da sie sowohl auf Gegebenheiten als auch Erfahrung beruht. Und genau diese Vielzahl und Vielschichtigkeit sind es, die das Œuvre der Künstlerin auszeichnen und sich auch in dieser Ausstellung widerspiegeln.

Ergo, so gesehen, lohnt sich ein Ausstellungsbesuch – nicht zuletzt auch, um endlich einmal wieder eine von Anna-Maria Bogners wunderbaren Fotoarbeiten zu betrachten. Nachdem die Künstlerin in den letzten Jahren viele raumgreifende Installationen und Zeichnungen auf Papier geschaffen hat, ist diese Rarität besonders hervorzuheben. Die Fotoarbeit (untitled, 2023, 70 x 100 cm, Print auf Barytpapier) scheint an die frühen Fotografien aus 2014 und 2015 anzuknüpfen. Eventuell spiegelt sich hier auch ein Bezug zur Tiroler Heimat wider – aber das bleibt nur eine Vermutung.

[1] https://www.wittgensteinproject.org/w/index.php/Logisch-philosophische_Abhandlung , abgerufen am 19. Juli 2023.

Mehr Texte von Désirée Hailzl

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Anna-Maria Bogner. Ergo
07.07 - 29.10.2023

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
6020 Innsbruck, Museumstrasse 15
Tel: +43 512 59 489, Fax: +43 512 59 489-88
Email: pr@tiroler-landesmuseum.at
https://www.tiroler-landesmuseen.at
Öffnungszeiten: Di - Sa 10 - 12 & 14 - 17, So 10 - 13h


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