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VIP-Leid und VIP-Schn├Ąppchen

Das Personalkarussel füllt sich stetig bei der Art Basel. Innerhalb eines Jahres sind drei neue Direktor:innen auf unterschiedlichen Hierarchieebenen hinzu gekommen: Noah Horowitz als CEO von all things Art Basel, Vincenzo de Bellis als Direktor für alle Ausstellungsformate und zuletzt Maike Cruse als Direktorin der Art Basel in Basel (ab 1. Juli). Da muss an anderer Stelle gespart werden. Das begann bei der (hoffentlich) gesundgeschrumpften Beteiligung Design Miami, wo zur VIP-Eröffnung kein Champagner gereicht wurde und setzte sich beim Champagnerfrühstück für die V-VIPs am Dienstagmorgen fort. Zwar gab es wie gewohnt Austern und Champagner, feste Nahrung gab es jedoch nur in Form sehr rarer und entsprechend begehrter kleiner Bällchen aus Kipferlteig. Am schockierendsten: Der begehrte Tote Bag ist wohl endgültig einem kleinformatigen Papiersackerl gewichen.

Die Aussteller lassen sich hingegegn nicht lumpen und zeigen, was das Lager und die Ateliers hergeben – naturgemäß Ersteres eher im Erdgeschoss, Letzteres im ersten Stock. Der dritte Stock ist bis auf einen Eingangsbereich den VIPs vorbehalten – bisher. Denn in diesem Jahr tritt erstmals Campari als Sponsor mit einer großen Bar auf, die auch den zahlenden Besuchern zugänglich ist. Einen kleinen Klassenunterschied gibt es dennoch: Während an den ersten beiden VIP-Tagen die Longdrinks und Cocktails gratis ausgegeben wurden, muss an den Publikumstagen dafür bezahlt werden. Allerdings sind 14 Franken für einen amtlichen Campari Spritz sowieso und gerade hier fast ein Schnäppchenpreis.

Inhaltlich strategisch tut sich natürlich auch etwas auf der Art Basel. Berlin scheint nun auch in Basel an Bedeutung zu verlieren. Nachdem die Deutschen über das Zulassungskomitee lange großen Einfluss in der Schweiz hatten, ist die Bilanz der letzten Jahre trüber. Mit Berinson, Johann König und Georg Nothelfer sind über die Pandemie verschiedene Berliner aus unterschiedlichen Gründen ausgeschieden, während unter den 21 aktuellen Neuzugängen (rund die Hälfte aus Europa) mit der in Peking gegründeten Hua International nur eine halbe Berliner Galerie zu finden ist. Bene Taschen kommt aus Köln, Jacky Strenz aus Frankfurt. Neun Galerien, die zuvor in den  Einstiegssektionen Statements oder Feature ausgestellt haben, rücken in das Hauptfeld. Barbara Thumm ist dabei die einzige Berlinerin, Jan Kaps stammt aus Köln, Deborah Schamoni aus München, Croy Nielsen (Ex-Berlin) aus Wien und Knoell aus Basel.

Im Basel Social Club fällt das Fehlen der US-Amerikaner überhaupt nicht auf, da er ohnehin primär auf ein lokales Publikum ausgerichtet ist. Die zum zweiten Mal stattfindende nomadische Veranstaltung hat in diesem Jahr in einer ehemaligen Mayonnaisefabrik Quartier bezogen und bietet einen ganz anderen Zugang zur Kunst. Im Zentrum steht tatsächlich die Clubatmosphäre. Kunst ist sozusagen nur der Anlass zum Zusammenkommen. Die Idee hat über 100 Galerien überzeugt, die Teilnahmegebühr von 1.500 Franken zu entrichten, quer durch alle Segmente des Marktes, vom lokalen Projektraum bis zu den Megagalerien. Für den Besuch der riesigen Immobilie sollten Besucher fast so viel Zeit einplanen wie für den der Art Basel. Ob da für die anderen Nebenmessen überhaupt noch Aufmerksamkeit übrig bleibt, wird sich Lauf der Woche erweisen müssen.

Der Eintritt ist hier sowie bei der June übrigens frei. Das reguläre Tagesticket für die Art Basel kostet 67 Franken. Dank der Preisexzessbekämpfungsinitiative des Basler Tourismusbüros lässt sich an dieser Stelle eine ganze Menge sparen: Entsprechende Hotelarrangements sind für Kurzentschlossene auch jetzt noch ab 127,10 Franken pro Person zu haben, inklusive Tages-VIP-Ticket. Sogar eine Art Basel-Tasche ist inkludiert.

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Österreichische Galerien in Basel (mit Links zu den Messe-Websites)
--> Art Basel: Croy Nielsen, Galerie Martin Janda, Galerie Krinzinger, Layr, Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Gregor Podnar, Thaddaeus Ropac, Felix Gaudlitz mit Tony Cokes in der Sektion Parcours
--> Liste: Felix Gaudlitz, Gianni Manhattan, Sophie Tappeiner, VIN VIN
--> Basel Social Club: Croy Nielsen, Layr, Sophie Tappeiner
--> Photo Basel: Galerie Photon
--> Volta Fair: Galerie Gans
--> June Art Fair

Mehr Texte von Stefan Kobel

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