Werbung
,

Pop Art & Minimalismus - The Serial Attitude: Gut abgehangen

Im Dezember 1967 veröffentlicht Mel Bochner in "Artforum" einen Aufsatz mit dem Titel "The Serial Attitude". In diesem Jahr hatte er neben seinen ihrerseits sehr seriellen plastischen Werken auch schon viel geschrieben, den Text über die Beach Boys zum Beispiel, publiziert im "Arts Magazine", eine Inkunabel jener Pop-Texte, deren Platz die Kunstzeitschrift ist. Im Sommer hatte Bochner, ebenfalls im "Arts Magazine", seinen Klassiker herausgebracht "The Serial Art Systems: Solipsism", ein sehr engagiertes, manifesthaftes Stück Kunstliteratur, das bei der Vorstellung aller möglichen Per- und Transmutationsmöglichkeiten von Formen das Zwanghafte dabei nicht vergaß. Das spätere "The Serial Attitude" gab sich demgegenüber distanzierter, cooler, retrospektiver. Die Ausstellung der Albertina, die Bochners Überschrift wieder aufleben läßt, gibt sich nicht minder distanziert, cool und retrospektiv. Sie zeigt, was sich tat unter diesem vor allem amerikanischen Rubrum, und fährt auf, was das hauseigene Depot hergab an Warhols, Rauschenbergs, Judds, LeWitts, Agnes Martins und, vielleicht als beeindruckendeste Darbietung, Chuck Closes. Bei allem ist, wie es sich gehörte unter Koschatzky und Oberhuber, irgendwie Papier im Spiel. Das Experimentelle, Vortastende, eben Konzeptuelle dieser Zeit kommt, so läßt es sich sagen, in der Skizzenhaftigkeit des grafischen Prinzips besonders gut zur Geltung. Allerdings hatten die Helden in ihrer besonders heroischen Phase anderes zu tun als Multiples auf den Markt zu werfen. Besonders die Conceptual Art war, um nochmals Bochner zu bemühen, zu solipsistisch, um sich in die Pose der Präsentabilität zu werfen. Conceptual brauchte keine Grafik, denn das Erfinderische kam ihm aus vollstem Herzen. Und Serialität meinte die immanente, logisch, mathematisch bedingte Transformation. Was dagegen die Ausstellung zeigt, in aller Coolness und Distanziertheit, sind die Phasen seit den Siebzigern, in der die Pioniere gesetzter, ihre Positionen bekannter und ihre Aufbruchsstimmungen vermittelbarer geworden sind. Serialität ist geronnen zur Multiplizität von Auflagenobjekten. Schön bekannt und redundant, und genau das ist die Schau. So etwas nennt man gut abgehangen.
Pop Art & Minimalismus - The Serial Attitude
10.03 - 29.08.2004

Albertina
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel: +43 1 534 83 -0, Fax: +43 1 533 76 97
Email: info@albertina.at
http://www.albertina.at
Öffnungszeiten: Tägl. 10-18h, Mi 10-21 h


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Der Titel ist Programm
Reinhard Staubmann | 16.03.2004 07:33 | antworten
Von der Albertina könnte man sich mehr erwarten, die Ausstellung ist nicht besonders umfangreich und repräsentativ, die Arbeiten teilweise nicht aus der Hauptschaffensperiode der Künstler, z.t auch billig und zweitklassig. Vielleicht betitelt daher die Albertina ihre Vorstellung von "Minimal Art" als "Minimalismus" Das ein Ausstellungskatalog voraussichtlich erst 3 Wochen nach Austellungsbeginn verfügbar ist, spricht für die Unterbezahlheit des Managments. Um in den ersten Stock mit einem Kinderwagen oder Rollstuhl zu gelangen muß man beim, überdies besonders freundlichen und hilfsbereitem Bewachungspersonal vorsprechen. Der Merchandising Shop ist sehr nett, aber z.B. mit Postern überhaupt nicht zum Thema vorbereitet.

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: