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Oder konkreter gefragt

Auf der Akademie der bildenden Künste in Wien haben sie ein Problem mit ihrem Ästhetikprofessor. Eric Alliez hat zwar alle internationale Reputation, aber keine Deutschkenntnisse. Seine Vorlesungen schreibt er auf französisch und läßt sie in jenes Englische übersetzen, in dem er sie dann zum Besten gibt. Ein solches Prozedere mag bei Künstlern noch angehen, die meistens ein Objekt haben, über das sie reden. Doch wenn der Sachverhalt im Darüberreden erst hergestellt wird, dann kann es schwierig werden. Dass es manchmal auch nichts hilft, wenn man Deutsch kann, zeigt jetzt der Band "Österreichische Ästhetik", in dem der Wiener Philosoph Peter Mahr, vor langer Zeit Kunstredakteur beim Falter, 19 Interviews abdrucken läßt, die er mit Koryphäen des Faches geführt hat. Und wie er sie abdrucken läßt: Nämlich genau so, wie den Herren und Damen vom Metier, Cornelia Klinger, Götz Pochat, Burghart Schmidt, Thomas Zaunschirm, und ihm selber der Schnabel gewachsen ist. Unbarmherzig wird transkribiert, was das laufende Tonband eingefangen hat, und wenn in einem Satz einmal "letztlich" vorkommt und drei Wörter weiter "letzten Endes", dann bleibt das so stehen. Dadurch ist der Band leider unbrauchbar. Es mag ja sein, dass man verstehen würde, was die Spezialisten meinen, wenn man sie vor sich hat, ihre Gesten sieht und den Zeichnungen folgt, die sie mit dem Fingernagel in die Tischdecken des Café Bräunerhof ritzen. Wenn man es aber als reine Lektüre vorgesetzt bekommt, gerät die durchaus vorhandene Kompetenz gegenüber der fehlenden Performanz mächtig ins Hintertrefffen. Der Interviewer gibt im Vorwort Peter Huemer und seinen Fragestil als Vorbild an. Das hat er verfehlt. Christian Allesch erzählt ihm zum Beispiel eine Geschichte, und das Gespräch droht so etwas wie unterhaltsam zu werden. Darauf Mahr: "Wie ist der Streit ausgegangen? Oder konkreter gefragt: Erscheint es heute nicht so..." Was folgt, ist ein neun Zeilen langes Satzungetüm, aus dem schlau werden mag, wer kann. Der Rezensent kann nicht. Peter Mahr (Hg.), Österreichische Ästhetik. 19 Interwiews Klagenfurt und Wien Ritter 2003 400 Seiten, 23,- Euro PS. Lieber Peter Mahr. Im Interview mit Maria Reicher bringst du das Gespräch auf "Interventionskunst". Dafür erhältst du folgende Gegenfrage: "Meinen Sie damit ein Projekt wie Permanent Breakfast, das... vergangenen Sommer in Graz... stattfand. Da nahmen Leute einen Tisch, Brötchen, Kaffee und Sesseln, setzten sich auf die Straße und frühstückten, luden die Vorübergehenden ein..." usw. usw. Sag, müssen wir das wirklich lesen?

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