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Dass die Körper sprechen, auch das wissen wir seit langem: Das Ornament der Körpermasse

Die Promis, unsere Pioniere des Famous-for-Fifteen-Minutes, müssen immer, wenn sie fotografiert werden, originell sein. Wenn sie also der Kamera ins Auge schauen, dann wollen sie die Unwiderstehlichkeit, von der sie überzeugt sind, auch vorführen. Und sie werfen sich in Pose. Wenn sie das tun, dann vollführen sie Gesten. In 98 von hundert Fällen, sind das die folgenden: Wenn sie schlecht drauf sind, zeigen sie den Stinkefinger, geht es ihnen gut, das Victory-Zeichen. Daraus kann man eine Zivilisationstheorie basteln. Oder eine Ausstellung. Unter dem unaussprechlichen Titel "Dass die Körper sprechen, auch das wissen wir schon lange" will die Generali Foundation beweisen, dass einem ausdrucks-, aber nicht expressionshalber mehr zu Gebote steht als die Fingerübungen der Promis. In der Tat fuchtelt und forciert es nur so in der Schau, es wird getanzt und verrenkt und um sich und in sich geschlagen, dass die versammelte Körpermasse zu einem riesigen Ornament gerinnt. Für eine Ausstellung ist das großartig: Das, was Bilder am besten können, nämlich Theatralik vermitteln, wird ihnen exakt abverlangt. Robert Longo mit einem wunderbaren Frühwerk, Catherine Opie, Allan Kaprow, Hannah Wilke etc. treten buntgemischt auf die Bühne. Fraglich aber, ob die These stimmt. Die lautet, dass Gesten lesbar sind, und zwar heute noch. Dass sie mehr leisten können als die längst in die Blödsinnigkeit breitgetretene Hoppla-Jetzt-Komm-Ich-Attitüde, siehe oben. Dass sie eine Sprache herstellen, für die es einen Code gibt und damit auch Verstehbarkeit. Doch für diese These helfen die versammelten Exponate wenig. Die vielleicht triftigste Arbeit stammt von Meike Schmidt-Gleim und heißt "Ich will Feministin sein". Per Video werden ihrerseits Posen nachgestellt, einschlägige Handlungen von Künstlerinnen, wenn sie sich den Kaugummi übers Gesicht kleben oder die Jeans aufschneiden, dass man zwischen die Beine sieht. Per Text wird klargestellt, dass diese Handlungen, von Valie Export, Adrian Piper oder Yvonne Rainer, wichtig sind. Für die Künstlerin wichtig. Dass das viel mit wollen zu tun hat, steht schon im Titel. Dass das nichts mit allgemeiner Lesbarkeit zu tun hat, sondern eher mit dem Prinzip Hommage, kann man sich dann dazudenken.
Dass die Körper sprechen, auch das wissen wir seit langem
22.01 - 15.04.2004

Generali Foundation
1040 Wien, Wiedner Hauptstrasse 15
Tel: +43 1 504 98 80, Fax: +43 1 504 98 83
Email:
http://foundation.generali.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Do 11-20, Sa, So 11-16h


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