Werbung
,

Marko Lulic - Die neue Linie (Ich war die Putzfrau am Bauhaus): Links, wo das Denkmal steht

Wir zitieren aus dem DuMont-Reisetaschenbuch Weimar: "Der Architekt und Leiter des Bauhauses, Walter Gropius (1883 bis 1969) schuf aus Ehringsdorfer Kalkstein das Denkmal der Märzgefallenen, auch Blitz genannt, zu Ehren der am 15. März 1920 vor dem Volkshaus durch Maschinengewehrfeuer ermordeten Teilnehmer an einer Demonstration zur Niederschlagung des Kapp-Putsches. Es wurde am 1. Mai 1922 enthüllt und symbolisiert ein zum Sturm aufgepflanztes Bajonett. Das während der Naziherrschaft 1935 zerstörte Denkmal wurde nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus in seiner ursprünglichen Gestalt wiederhergestellt und 1946 eingeweiht." Marko Lulic hat diesem Denkmal nun eine erweiterte Gestalt gegeben. Er hat es in Holz nachgebaut, mit Leder überzogen, wo es nun dasteht in der Galerie Senn als ein Stück Kunst und schlicht "Walter" heißt. Die Ingredienzien dessen, was man in den letzten Jahren zusammenrührte, um derlei für gut zu halten, sind versammelt: Das Prinzip Erinnerung, das Prinzip Modell, das Prinzip Kunst über den Modernismus, das Prinzip linkes Bewusstsein. Lulic hat für seine zweite Einzelausstellung bei Gabriele Senn noch ein viel denkmalhafteres Denkmal rekonstruiert. Es steht als wuchtiger Block gleich am Eingang, ist in Orange gehalten und läßt Mies van der Rohes Gedenkstätte für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg auf dem Friedhof Berlin Friedrichsfelde Revue passieren, 1926 aufgerichtet und gleichfalls 1935 von den Nazis weggeschafft. Auch hier sind die Ingredienzien, siehe oben. Lulics Meta-Monumente sind in der Tat raffinierte Projekte über das Prinzip Projekt, sie sind angefüllt mit dem Bewusstsein für Geschichte, dem Bewusstsein für Form und vor allem mit dem Bewusstsein für Wissen. Während einem die Geschichte mit Karl und Rosa noch vom Waschzettel, wie er galerieüblich ausliegt, erzählt wird, braucht man, um "Walter" zu verstehen, schon einen Weimar-Reiseführer. Mindestens. Und etwas linkes Bewusstsein kann auch nicht schaden.
Marko Lulic - Die neue Linie (Ich war die Putzfrau am Bauhaus)
16.01 - 20.03.2004

Gabriele Senn Galerie
1040 Wien, Schleifmühlgasse 1 a
Tel: +43 1 585 25 80
Email: office@galeriesenn.at
http://www.galeriesenn.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-17h, Sa 11-14h


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: