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Günther Förg: Markenzeichen der Achtziger

Als Günther Förg anfing mit der Kunst, da herrschten die Achtziger. Es war die Zeit, als man sich wieder an die klassischen Bildträger herantraute, an das Gemälde, die Fotografie, die Einzelskulptur, und Förg übte sich von vornherein in der Parallelität zumindest von Malerei und Lichtbild (die Plastiken, noch dazu in Bronze, kamen dann am Ende des Jahrzehnts hinzu). Es war auch die Zeit des Prinzips Vergrößerung, jenes Hangs zur geräumigen Dimension, die eine Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart dann mit Anleihen beim Filmemacher Antonioni auf den bis heute sehr plausiblen Begriff "Blow Up" brachte; Förg war dabei seinerzeit, und er gehörte auch zur Crew des Galeristen Hetzler, der den legendären Spruch "Bild klein - kommt nichts rein; Bild groß - viel Moos" prägte und damit der heiligen Zweifaltigkeit von Kunst und Handel das perfekte Credo gab. Das alles ist lange her, und doch ist Förg, wie man so sagt, diesem Credo treu gelieben. Vielfalt und viel Fläche machen nach wie vor Förgs bildnerische Strategie aus. Daß mehr dahinter steckt als eine zweifellos vorhandene Marktgängigkeit, zeigt jetzt seine Ausstellung im ebenso prekären wie solitären Kunsthaus Bregenz. Förg begegnet Zumthors exorbitanter Architektur mit dem Markenzeichen der Achtziger: der Konformität. Diese Anschmiegsamkeit funktioniert ökonomisch ebenso wie inszenatorisch. Die vier Stockwerke des orthodox puristischen Baus werden von Förg zu perfekter Kenntlichkeit gebracht. Großformatige Gemälde und ebenso dimensionierte Fotos wechseln einander ab, Gitter- und Fenstermotive zeigen die einen, Ansichten modernistischen Bauens, diesmal aus der Türkei, zeigen die anderen. Im Erdgeschoß hat Förg einige Plastiken hinzugefügt, auf weißen Stelen grob zusammencollagierte Gebilde aus Baustoffen wie Kalk, Gips, Draht. Alles paßt perfekt zusammen. Die Achtziger waren sowieso geprägt von der Rückkehr der Themen, Sujets und Motive, und Förg tut in diesem Sinn, was er buchstäblich kann. Seine Bilder interpretieren die Architektur. Zwar sind sie alle im letzten Jahr entstanden, doch fügen sie sich wunderbar zu einem Phänomen, dem Harald Szeemann passenderweise schon 1983 eine Ausstellung widmete: "Der Hang zum Gesamtkunstwerk".
Günther Förg
24.05 - 08.07.2001

Kunsthaus Bregenz
6900 Bregenz, Karl Tizian Platz
Tel: +43 5574 48 594-0, Fax: +43 5574 48 594-8
Email: kub@kunsthaus-bregenz.at
http://www.kunsthaus-bregenz.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do 10-20 Uhr


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