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kunst wien 2001: Eine ordentliche Messe

Geschrei soll im Allgemeinen bezwecken, die eigenen Zweifel zu übertönen. In Köln rufen sie jetzt die \"Art Cologne\", immerhin die Mutter aller Kunstmessen, zum \"Artpole of the World\" aus, als wüßte man nicht selbst am besten, daß man längst von der ART Basel in den Schatten gestellt ist. In Wien nennen sie ihre Kunstmesse \"Kunstwien\", so lapidar wie selbstverständlich. Zum siebten Mal findet sie in den engen, aber eben auch den Zusammenhalt fördernden Räumen des MAK-Ausstellungsgebäudes statt. Es ist eine kleine, feine Veranstaltung. Wenn alles, was der hiesige Kunstbetrieb anstellt, von einer ähnlichen Souveränität wäre, so stünde es zum besten um ihn. Daß nur österreichische Galerien vertreten sind, halten wir für überhaupt kein Manko. Denn erstens sind die besten vertreten und zweitens - gerade das macht sie ja die besten - haben sie ihr Visier längst auf die Trends und Themen des Global Village eingestellt. Ropac, Salzburg, etwa präsentiert sich mit einer One-Person-Show von Peter Halley, dem amerikanischen Diagrammatiker, für dessen geometrisch purifizierte, texturenreiche Oberflächen man Bares bis zu 930.000 Schilling bei sich haben müßte. Die rosa Schleife für den gelungensten Messestand würden wir der Koje von Eugen Lendl, Graz, umbinden. Lendl zeigt ganze zwei Arbeiten von ganzen zwei Künstlern, eine achtzehnteilige Reihe wolkig-atmosphärisch bemalter Tafeln im handlichen Format von Anton Henning (Gesamtpreis 294.000) sowie Markus Wilflings sehr zum Platznehmen einladende Parkbank, die sich die gesamte Breite des Standes entlangzieht; das Arrangement ist auf die speziellen Bedürfnisse des Interessenten hin adaptierbar, dem es für 300.000 Schilling anheimfallen würde. Die beiden Panoramaformate von Möbel und serieller Malerei ergänzen einander nicht nur aufs Vortrefflichste, sondern lassen einen auch noch nachdenken über bis dato übersehene Verwandtschaften zwischen den Künsten. Wofür Messen alles gut sind. Nicht übersehen kann man Herbert Brandls zwei auf drei Meter messendes, sehr figurativ dargebotenes und 385.000 Schilling kostendes Bergmassiv bei der Galerie nächst St. Stephan, Wien. Nicht übersehen sollte man bei Faber, Wien, die Scharzweiß-Fotos, die Hiroshi Sugimoto, Shooting Star und Altmeister konzeptueller Fotografie in Personalunion, in Kinos aufnahm, während der Film lief; Ergebnis ist das Porträt eines Zuschauerraums samt weiß leuchtender Leinwand, deren Kinematographie von der Langzeitbelichtung verschluckt wurde; Sugimotos coole Dechiffrierarbeit am Prinzip Film gehört zum besten, was die vielbeschworene Medienkunst zu bieten hat, und kostet, allerdings bei einer Auflage von 500 Abzügen, ganze 6.300 Schilling. Eine der zuverlässigsten Nervensägen bei Kunstmessen sind Person und Phänomen des Post-Fluxus-Artisten HA Schult. Maringer, Sankt Pölten, bietet zwei jener \"Trash People\", die vor Jahresfrist tausend Mann hoch die chinesische Mauer besetzt hielten, für jeweils 85.000 Schilling feil. HA Schult und seine Keilerei um Aufmerksamkeit gehören zu jeder anständigen Kunstmesse. Und die Kunstwien 2001 ist eine anständige Kunstmesse.
kunst wien 2001

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25 - 28.10.2001


kunst wien
1010 Wien, MAK - Weiskirchnerstraße 3
Tel: 0043 1 216 65 26-0, Fax: 0043 1 216 65 26-22
Email: praesenta@cso.at
http://www.kunst-wien.at
Öffnungszeiten: Do,Fr,Sa 11 - 19, So 10-18 Uhr


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