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Sammlung - Werke von Farocki, Graham, Haake, Ivekovic und Kubelka: Give Me Five

Man könnte jetzt über die Bedeutung der gezeigten Arbeiten reden. Man könnte darauf hinweisen, wie in Dan Grahams frühen Filmen vieles von dem angelegt ist, was dann in seinen Installationen und vor allem den Pavillons spektakulärer verpackt wurde, das Thema Sehfeld zum Beispiel oder der Mechanismus gegenseitiger Spiegelung. Man könnte derlei initiale Qualitäten auch in Hans Haackes 1971er "Visitor`s Profile" feststellen, die spezielle Verwaltungsästhetik, die er nicht mehr losgeworden ist, und das orthodox Konzeptuelle dieser Besucherbefragung, die alles ganz genau wissen will, um es der eigenen künstlerischen Position gleichsam als Meta-Ebene einzuverleiben. Man könnte von Harun Farocki reden, dem Berliner Autorenfilmer, und dem repräsentativen Querschnitt durch 35 Jahre autonomer Produktion, der jetzt per Monitor und Beamer vorgeführt wird. Man könnte Sanja Ivekovic anführen, "eine der ersten explizit feministischen Künstlerinnen des ehemaligen Jugoslawien", wie es im Ausstellungsfolder heißt, und das ist eine Untertreibung. Ihre mit den Images der Werbung parallel geschalteten Selbstdarstellungen sind dem Kämpferischen und das Eigene und Eigentliche von Weiblichkeit Auslotenden des frühen Feminismus weit voraus. Schließlich könnte man Friedl Kubelka erwähnen und die unermüdliche Investigation, die sie am eigenen Konterfei verübt. Speziell hervorzuheben wäre abermals ein Gründungsakt, ihr erstes sogenanntes "Jahresporträt" von 1972 mit seiner minutiös und täglich am Antlitz abgenommenen Befindlichkeitsmessung. Man könnte auch davon schwärmen, wie gut die fünf vorgeführten Positionen zusammenpassen und sich zu einem Querschnitt jener Conceptual Art der frühen Siebziger fügen, die eher körperbewusst als sprachfixiert und eher psychologisierend als semiotisierend arbeitete. Doch was die Generali Foundation zeigt, ist ja nicht nur eine großartige Ausstellung, sondern auch ein kleiner Einblick in die eigene Sammlung. Während man andernorts österreichische Maler an sich raffte, hat die Generali Forschungsarbeit an den Umfeldpionieren geleistet und eine Kollektion erstellt, die partout ihresgleichen sucht. Ganz ohne Krampf und Renommiersucht am Nationalen. Diese Sammmlung hat jetzt schon Weltgeltung und sie wird an Reputation weiter gewinnen. Dass sie dabei auch im Wert steigt, liegt nur in der Logik.
Sammlung - Werke von Farocki, Graham, Haake, Ivekovic und Kubelka
05.09 - 21.12.2003

Generali Foundation
1040 Wien, Wiedner Hauptstrasse 15
Tel: +43 1 504 98 80, Fax: +43 1 504 98 83
Email:
http://foundation.generali.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18, Do 11-20, Sa, So 11-16h


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