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In Wien gibt es eine sehr gute institutionelle Landschaft

„Bye Bye Berlin. Thank you for everything. We will miss you. See you in Vienna.“ Mit diesen Zeilen verabschiedet sich die Galerie Croy Nielsen von ihrem Berliner Publikum auf ihrer Website. Man entschloss sich nämlich, den Laden nach Wien zu verlegen – was man keineswegs als Entscheidung gegen Berlin, sondern als eine für Wien verstanden wissen wolle, wie man sogleich erklärte: Aufgrund der Schließung einiger Galerien in den vergangenen Monaten, darunter Croy Nielsen, war nämlich mancherorts bereits der Niedergang der Berliner Galerienszene befürchtet worden.
Croy Nielsen vertreten Künstlerinnen und Künstler einer mittleren Generation wie Nina Beier, Marie Lund, Joshua Petherick und Mandla Reuter ebenso wie ganz junge, etwa Hugh Scott-Douglas, Olga Balema oder den in Wien lebenden Andy Boot. Darüber hinaus findet sich auch der bereits 1990 verstorbene und in Dänemark sehr renommierte Maler Albert Mertz auf ihrer Liste. Acht Jahre lang betrieb Henrikke Nielsen, dänische Kunsthistorikerin, Kuratorin und Kritikerin, mit ihrem Mann Oliver Croy, Künstler mit österreichischen Wurzeln, ihre Galerie in der deutschen Hauptstadt; der Kunsthandel entwuchs einem Projektraum. In der Wiener Innenstadt fand das Galeristenpaar nun ein neues Geschäftslokal, das im Herbst eröffnet werden soll. artmagazine.cc sprach mit Nielsen über Beletage-Räume in der Wiener Innenstadt und lokale Prägungen sowie die rege Galerientätigkeit und die gut aufgestellte institutionelle Landschaft in ihrer neuen Heimat.

artmagazine.cc: Sie entschieden sich, von Berlin nach Wien zu ziehen. Worauf freuen Sie sich hier?


Henrikke Nielsen: Grundsätzlich tut ein Wechsel gut. Die Galerie hat in Berlin gut funktioniert, wir hatten aber Lust auf Veränderung und sehen hier ein großes Potenzial. Mein Mann und Galeriepartner ist Österreicher – da lag es nahe, nach Wien zu gehen. Unser Programm ist klar von Berlin geprägt und wir freuen uns darauf, es in einem Wiener Kontext zu präsentieren bzw. es von hier aus weiter zu entwickeln. Außerdem gibt es hier eine sehr gute institutionelle Landschaft, auch die Kunsthochschulen leisten gute Arbeit.


Welche Wiener Institutionen schätzen Sie besonders?


Durchgehend alle Museen, aber ganz wichtig ist auch die junge Szene, etwa die Projekträume Garret Grimoire, wellwellwell, Gärtnergasse 1 und Autocorrect.


Mit Ihrem Umzug ändert sich auch das kollegiale Umfeld. Welche Verbindungen gibt es bereits zur Wiener Galerienszene?


Wir werden bei der viennacontemporary mit Emanuel Layr einen Stand teilen. Wir gehören derselben Generation an, sind auch vom Programm her nicht so weit voneinander entfernt. Und natürlich freuen wir uns darauf, andere Galerien der Stadt näher kennen zu lernen.


Wie wird der neue Standort das Programm beeinflussen?


Das lässt sich noch nicht so genau sagen. Natürlich steht unser Programm in Verbindung mit dem lokalen Kontext, und es wird sicher von Wien geprägt werden. Der Standort ist immer relevant, nicht nur in Bezug auf die Künstler, mit denen man arbeitet, sondern auch für die Art, wie man Ausstellungen macht. Wir werden manchmal gefragt, welche Bedeutung der physische Ort jetzt noch habe – wo sich doch so viel digital abspiele oder aber ohnehin auf Messen. Und ich bin davon überzeugt, dass der Standort nach wie vor immens wichtig ist: Er ist der Kern. Daher ist für uns die aktuelle Situation ja auch so spannend. Man verlegt eben nicht einfach nur ein Büro.


Es ist ja doch entscheidend, mit wem man bei der Eröffnung spricht, hinterher auf einen Drink geht, oder?


Auf jeden Fall. Nichtsdestotrotz bleiben die Messen wichtig, auch das internationale Netzwerk.


Sie haben viele junge Positionen im Programm. In Wien heißt es oft, dass diese in den hiesigen Galerien unterrepräsentiert seien. Wie sehen Sie das von außen?


Es stimmt, unser Programm ist relativ jung. Wir sind hier aber nicht die einzigen; ich finde die Situation – für die Größe der Stadt – durchaus gut. Neben Emanuel Layr haben etwa auch Meyer Kainer jüngere Künstler im Programm.


Wie sind Sie auf die Räume am Parkring 4 gestoßen?


Nielsen: Unsere neuen Räumlichkeiten sind in der Beletage gelegen. Wir haben uns viele Arten von Räumen hier angesehen und suchten anfänglich, eher traditionell, ein Ladenlokal. Wir fanden es dann aber ganz spannend, etwas anderes auszuprobieren. Für uns, von außen kommend, sind es Räume, die typisch für Wien sind.


 


CROY NIELSEN
Parkring 4, 1010 Wien
croynielsen.com

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