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Made in Germany Drei

„Made in Germany“ war einst ein Kampfbegriff. Die Engländer wollten damit vor dem Schund warnen, der über den Kanal brandete und aus Deutschland, dem Parvenü unter den Hochkapitalisten, kam. Es dauerte nicht lange, und aus dem Pejorativ wurde, man kennt das aus der Kunst des Impressionismus oder Fauvismus, ein Prädikat. Die britischen Fabrikherren, die sich in eine splendide Isolation aristokratischen Lebens zurückgezogen hatten, der Fachausdruck dafür war Gentrification, hatten und haben bis heute das Nachsehen. Kunst, Kapitalismus, Gentrification und das bis heute: Damit sind wir beim Thema. In Hannover gibt es zum dritten Mal „Made in Germany“ zu sehen, eine Leistungsschau des irgendwie im Land Entstandenen, verteilt auf die drei Orte Kestner Gesellschaft, Kunstverein, Sprengel Museum.


Es ist, wieder einmal, ein Made in Berlin geworden. 23 der 32 Beiträge hängen an der Nabelschnur der wasserköpfigen Metropole. Vorbei ist es mit dem deutschen Föderalismus, und das ausgerechnet aus der Perspektive der Landeshauptstadt Niedersachsens, die mit illustren Figuren wie dem Ex-Kanzler Schröder, dem Ex-Bundespräsidenten Wulff, dem Ex-Rocker Meine und dem Ex-Boulevardliebling Maschmeyer spezielle Markierungen in der Republik gesetzt hatte. Allein der Tunnelblick auf die Kapitale zeigt schon, was Provinz ist.


So reiben sich die Kuratoren auf mit ihren Startbedingungen: Mit ihrer Sechszahl, mit der Dreizahl der Orte und dem schieren Nebeneinander dessen, was sie zeigen möchten. Sie reiben sich auf in der Parallelität zur documenta, deren Termine sie starrsinnig jedes Mal übernehmen und der gegenüber die brave White Cube-Atmosphäre allzu bourgeois daherkommt. Unglücklich ist es auch, dass zwei ihrer eindrucksvollsten Positionen ebenso bei der Konkurrenz mitspielen, Daniel Knorr bei der documenta, Peles Empire in Münster. Und dass sie noch etwas werden wollen, sieht man am Kalkül mit der Provenienz: Gleich vier der Vertretenen sind Schüler von Olafur Eliassons selbst auferlegtem Sonderforschungsbereich an der Berliner UdK; ein wenig zu deutlich möchte man sich mit dem Herrn Professor gut stellen.


Nebenan, bei den SkulpturProjekten in Münster lassen sich in deren Zehnjahresturnus die Dekadenschritte der Kunstkonjunkturen sehr schön sehen: 1977 war es um Demokratisierung gegangen, 1987 um Ortsspezifik, 1997 um die Anbindung an die Dienstleistungsgesellschaft, 2007 um Retromanie, und diesmal feiern Performativität., Theatralik und Zeige-Deine-Wunde-Komplexe Urstände. In Hannover dagegen scheint alles irgendwie vom Himmel gefallen zu sein. Kein Kontext, keine Ausrichtung wohin auch immer, und der Oberbegriff, den man sich selbst verordnet hat, „Produktion“, hilft auf elende Weise nicht weiter. Zwei der drei Orte sind Kunstvereine. Ein wenig Kunstvereinskunstgehabe hätte „Made in Germany“ nicht geschadet.


 


PRODUKTION. made in germany drei
3. Juni bis 3. September 2017
Kestner Gesellschaft
Kunstverein Hannover
Sprengel Museum

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