Wiener Messekarussell, die Zweite

Werner Rodlauer, 06.03.17

Dieses Jahr ist in Wien bei den Frühjahrsmessen alles anders – Zumindest der Veranstaltungsort. Nachdem die Art Vienna (das artmagazine berichtete) die Art Austria im Leopold Museum abgelöst hatte, startete vergangenes Wochenende die Messe für Kunst und Antiquitäten, kurz WIKAM. Der Veranstaltungsort im Palais Ferstl und Palais Niederösterreich ist für die WIKAM nicht wirklich neu, allerdings wurde die Messe in den vergangenen Jahren dort im Herbst abgehalten. Nachdem der frühere Veranstaltungsort, das Künstlerhaus am Karlsplatz, jetzt aber (endlich) saniert wird, musste auch die WIKAM umdisponieren.

Der neue, alte Veranstaltungsort bringt denn auch nicht allzu viel Neues. Wie schon im letzten Jahr erkennbar, steigt die Qualität der WIKAM langsam und stetig. Der Anteil internationaler TeilnehmerInnen ist mit sechs aus Deutschland von insgesamt siebenunddreißig nach wie vor sehr überschaubar. An den meisten Ständen überwiegt die bunte Mischung, die durch einige interessante Einzelpräsentationen aufgelockert wird. Das interessanteste „Werk“ aus der Kategorie Sammlungsgegenstände hat der Kunsthandel Mittmannsgruber aus Krems nach Wien gebracht. Es sind dies einige wenige Einzelblätter aus einem rund 2.600 Objekte umfassenden Herbarium zur Pflanzenwelt der Region St. Pölten, zusammengestellt vom Biologen Dr. Eduard Hackel (1850 bis 1926) in den Jahren 1869 bis 1879. Hackel unterrichtete von 1869 bis 1900 Biologie an der Landesoberrealschule St. Pölten und erlangte Weltruf als Spezialist des Studiums der Gräser. Während der Großteil seines Nachlasses heute im Naturhistorischen Museum Wien zu finden ist, verblieb das St. Pöltner Herbarium bisher in Privatbesitz.

Einem noch zu wenig beachteten Vertreter der Neuen Sachlichkeit in Österreich widmet der Kunsthandel Widder seine Schwerpunktpräsentation: Über einhundert Arbeiten des 1898 in Klosterneuburg geborenen Künstlers Karl Hauk finden sich dicht gehängt am Messestand. Bekannt wurde er durch unzählige Werke im öffentlichen Raum, vor allem in Linz und Wien. Seine Werke waren immer wieder Teil größerer Ausstellungen, eine Retrospektive seines Werks steht allerdings noch aus.

Eine weitere Sonderschau widmet die Galerie Szaal dem Maler Heribert Mader zum 80. Geburtstag mit einem Schwerpunkt auf dessen Stadtlandschaften. Die Galerie setzt wie viele seiner KollegInnen auf der WIKAM außerdem auf Zeitgenössisches und zeigt Werke u.a. von Franziska Maderthaner, Hubert Schmalix und Hans Staudacher am Messestand. Dem malerischen Werk des Fotografen, Kameramanns und über viele Jahre Leiter des Fotostudios an der Akademie der bildenden Künste Wien, Peter Kodera, widmet sich der Kunsthandel Lehner mit einer kleinen Präsentation von Werken aus den 1980er Jahren.

Das Angebot der WIKAM reicht von antiken Kunstwerken bei Christoph Bacher Ancient Art und gotischer Schnitzkunst (u.a. bei Kössl und Figl), über Schmuck (Bach Antiquitäten und Sonja Reisch), Teppiche (Beate von Harten und Bieler), Uhren(Lilly`s Art und Moskat) und Möbel (Kindler und Coloneum) bis zur aktuellen Kunstproduktion, die sich an vielen Messeständen findet. Die aufgrund der vorgegebenen Architektur der beiden Veranstaltungsorte hin und wieder engen und verwinkelten Stände können schon mal überladen wirken. Der Gesamteindruck ist aber grundsätzlich positiv. Man kann gespannt sein, was das Veranstaltungs-Team um Horst Szaal und den Messemanager Gregor Spalek im Herbst auf die Beine stellt, wenn die WIKAM sich ab dem 7. Oktober in den lichten Räumen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften präsentiert.


Tipps

 

WIKAM
1010 Wien, Palais Ferstel, Palais Niederösterreich, Herrengase/Strauchgasse
Tel: +43 (1) 40 66 330
Fax: +43 (1) 402 88 35
email: wikam@kunstkauf.at
http://www.wikam.at




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WIKAM
WIKAM 2017

04.03.2017 bis 12.03.2017

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