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Salon discret

Stefan Kobel, 28.01.17

Sie ist relativ neu im Messekalender und versammelt doch schon eine beachtliche Ausstellerriege. Seit ihrer ersten Ausgabe 2012 hat die Art Genève sich einen Ruf als hochkarätige Regionalmesse erworben, die eine wohlhabendsten Weltgegenden bedient.

Ein intimer Salon möchte man sein, keine Messe mit ihrem merkantilen und marktschreierischen Jahrmarktcharakter. Knapp 90 Galerien nehmen in diesem Jahr teil. Die meisten von ihnen sind Rückkehrer, auch die großen Namen aus dem Primär- und Sekundärmarkt. Der Galeriekonzern Gagosian zählt zu ihnen ebenso wie Mayoral aus Barcelona. Tornabuoni aus Mailand/Paris/London zeigt seine italienischen Avantgarde-Klassiker gleichzeitig hier und auf der Artefiera in Bologna. Die Genfer Galerie Art Vera hat unter dem Titel „Monte Verità“ eine Präsentation aus Kommissionsware von Kunden, die sie berät, zusammengestellt. Einige von ihnen waren zwar nie in der Künstlerkolonie, aber wer will es schon so genau nehmen, wenn man Werke von Ernst Ludwig Kirchner oder Edvard Munch mit Preisschildern um drei Millionen Euro zu sehen bekommt. Die zeitgenössische Kunst beginnt hingegen schon im Bereich ab 1.000 Euro, etwas die abstrakt-geometrischen oder ornamentalen Kleinformate von Pius Fox bei Pablo's Birthday aus New York.

So entsteht ein eklektischer Mix aus Alt und Neu auf hohem Niveau, der ein vor allem regionales Publikum offensichtlich anspricht. Die Messe wird nicht als Spektakel gesehen, und man möchte sich selbst nicht inszenieren oder sonstwie auffallen. Laurent Godin aus Paris kennt die diskreten Schweizer. Er ist von Anfang an dabei, ist aber jedes Mal aufs Neue überrascht von ihrer Scheu: „Man unterhält sich eine halbe Stunde mit Ihnen, und wenn man dann nach dem Namen oder einer Visitenkarte fragt, gehen sie direkt auf Distanz.“ Peter Kilchmann aus Zürich weist darauf hin, dass viele Sammler; Unternehmen und Institutionen aus der französischsprachigen Schweiz ebenfalls ein einheimisches Angebot schätzten, das er auf der internationalen Art Basel so nicht fände.

Mit Claudia Comte hat Erstteilnehmer Johann König aus Berlin eigens eine einheimische Künstlerin mitgebracht, der er im vorderen Teil des Standes eine Einzelpräsentation widmet. Den Umsatz hat er in den ersten Tagen allerdings mit der internationalen Ware im hinteren Teil gemacht.

Erstaunlich wenige österreichische Galerien sind dem Ruf der Berge ins Nachbarland gefolgt: Nikolaus Ruzicska, Elisabeth & Klaus Thoman und Christine König. Letztere ist zum zweiten Mal dabei und freut sich, auf beiden Ausgaben jeweils neue Kunden gefunden zu haben. Die Thomans warteten am zweiten Tag noch auf Kunden für ihre Skulpturen von Bruno Gironcoli, der in Genf vor einigen Jahren eine große Museumsausstellung hatte. Mit Preisen bis zu 180.000 Euro handelt es sich allerdings auch nicht um Mitnahmeartikel.

Messedirektor Thomas Hug hat klare Vorstellungen von dem Marktplatz Genf und seiner Art Genève, die er 2012 mit der Palexpo aus der Taufe gehoben hat. Vor Ort soll sie keinesfalls wachsen, zumindest nicht in der Größe. Gleichzeitig soll sie Schweizer Galerien immer ein breites Forum bieten, das der einheimischen Branche ansonsten fehlt. Wachstum findet geografisch statt. Mit der Art Monte Carlo Ende April existiert bereits eine Schwester, eine weitere an einem bisher noch nicht genannten Ort zu einem Herbsttermin soll folgen.


Tipps

 

Palexpo
1218 Le Grand-Saconnex, Route François-Peyrot 30
http://www.artgeneve.ch




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Art Genève

26.01.2017 bis 29.01.2017

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